Zur Untergattung Coptoformica, Kerbameisen, C. forsslundi

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Zur Untergattung Coptoformica, Kerbameisen, C. forsslundi

Beitragvon Merkur » Sonntag 22. Juli 2018, 09:52

Im eusozial-Forum wurde auf den folgenden Artikel hingewiesen:
Winzig, unscheinbar und sehr selten – Quelle: https://www.shz.de/20474137 ©2018
„Im nordfriesischen Naturschutzgebiet „Süderlügumer Binnendünen“ findet sich weltweit das größte Vorkommen der Kerbameise.“

Nun ist „Kerbameise“ eine Bezeichnung für die Waldameisen-Untergattung Coptoformica insgesamt. Erst im Text wird klar, um welche Art der Kerbameisen es sich handelt:
"Eine beeindruckende Anzahl von Nestern der seltenen Kerbameise ([i]Formica forsslundi) und Uralameise (Formica uralensis) sind dort angesiedelt"[/i]

In Deutschland gibt es fünf Arten der Untergattung Coptoformica:
Formica (C.) exsecta (Große Kerbameise), Formica (C.) bruni, Formica (C.) foreli, Formica (C.) forsslundi und Formica (C.) pressilabris.

Auch der Text des Artikels enthält einige „Merkwürdigkeiten“:
Keberameise dringt in das Nest der Dienerameise ein
Allerdings sichert nicht nur die Entfernung zu ihren Feinden ihr Überleben: Ebenso wichtig ist für die Kerbameise die Nähe zu einer anderen Ameisenart, da sie Sozialparasitismus betreibt. Die Königin sucht zunächst ein Nest der Schwarzen Dienerameise (Formica picea) auf, die so ähnlich lebt, wie die Kerbameise.
Mal abgesehen von dem Dreher Kerbameise zu „Keberameise“ ist zwar richtig, dass die Coptoformica-Arten zur sozialparasitischen Koloniegründung fähig sind (häufiger ist die Zweignestbildung der durchwegs polygynen und polydomen Arten), doch ist die Umbennenung der „Sklavenameisen“ (Untergattung Serviformica) in „Dienerameisen“ gewöhnungsbedürftig. Sie sind eben Wirtsarten sowohl für die Sklavenhalter Polyergus rufescens und F. (Raptiformica) sanguinea als auch für die sozialparasitische Koloniegründung der ansonsten selbständig lebenden Coptoformica- und Formica (s.str.)-Arten.

Wirklich häufig unter den Kerbameisen ist nur F. exsecta, über die ich schon mehrfach berichtet habe. Sie ist in Mittel- und Nordeuropa, von den Alpen bis nach Finnland, in geeigneten Habitaten nicht selten.
Sehr selten scheint F. bruni zu sein, von der u. a. ein begrenztes Vorkommen auf einem Trockenrasen im Taubertal (nahe Wertheim/Main) seit Jahren unter Beobachtung steht.

Ein Vorkommen von F. forsslundi mit ca. 1200 Nestern ist allerdings schon ungewöhnlich, doch tendiert Coptoformica dazu, im Sommer zahlreiche kleine (von Faustgröße aufwärts) Zweignestchen zu bilden. Im Herbst wandern die Bewohner wieder zusammen in ein paar große Nester (Durchmesser bis 1m).
Eher aufregend ist das in dem Artikel genannte Vorkommen der Uralameise, Formica uralensis, einer an Moorgebiete angepassten Art.

Siehe auch hier und viele Beiträge im Forum, die mit der Suche nach "Coptoformica" zu finden sind.

C.exsecta-Kolb.-767.jpg
"Superkolonie" von Formica (Coptoformica) exsecta in Südhessen.
Gesamt ca. 100 solcher Nester.

MfG,
Merkur
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