Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Hier ist Platz für Fragen über außereuropäische Ameisenarten.

Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon pandi2009 » Donnerstag 1. März 2018, 15:22

Hallo zusammen,

ich finde immer wieder unterschiedliche Angaben zu den beiden Arten.

Hat hier jemand evtl. schon beide Arten gehalten und kann mir verlässliche Informationen liefern?

- Größenunterschied?
- Körperbau (welche ist massiger)?
- Verhalten?
- Haltungsparameter?
- Welche Art ist einfacher zu halten?

Danke und Gruß

Pandi
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pandi2009
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon Reber » Donnerstag 1. März 2018, 19:09

Hallo Pandi,
ich kann dir nicht wirklich helfen, weil ich (noch) keine der beiden Arten selber gehalten haben. Ich interessiere mich aber ebenfalls sehr für diese speziellen und sehr schönen Ameisen!

Ein Unterschied ist schon mal : Harpegnathos venator sind mehrheitlich schwarz und sie sind vom Körperbau her (Thorax, Gaster) massiver als Harpegnathos saltator. Diese sind dafür auffällig gefärbt: gelbliche Mandibel und Beine, Kopf und Thorax rötlich und die Gaster dunkel. Beide Arten sind ungefähr gleich gross.

Vielleicht kann Steffen Kraus dir hier weiterhelfen? Sonst versuchst du es vielleicht mal bei den Nachbarn im Eusozial
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„Im Leben fängt man dann und wann
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon Steffen Kraus » Donnerstag 1. März 2018, 20:47

Hallo Pandi,
die Beschreibung zum Aussehen, hat Dir Reber schon treffend gegeben!
Da ich mit beiden schon Erfahrungen seit Jahren habe, versuche ich mal meine Meinung zu diesen recht interessanten Ameisen in der Haltung zu geben.
Bei Harpegnathos saltator ist die Haltung einfacher, als bei Harpegnathos venator,
dies kann daran liegen, alle Kolonien in Europa stammen von einer Kolonie ab und sind abgespaltene Kolonien die mit einer Gamergate funktionieren.
Hier ist der Preis sehr hoch und kann schon in die Richtung der australischen Myrmecia gehen. Hier muß jeder selbst entscheiden, ob und wieviel er/sie ausgeben möchte.
Bei Harpegnathos venator habe ich eine andere Meinung, was die Haltung angeht.
Hier bekommt man jedes Jahr über den asiatischen Handel, Kolonien, die teilweise schon recht groß sind und/oder kleine Kolonien mit einer sichtbaren Königin und einigen wenigen Arbeiterinnen.
Ob diese funktionieren, ich meine damit die Haltung über ein Jahr mit stetigem Wachstum, ist zwar möglich, aber nicht die Regel!
Daher würde/kann ich diese Ameise, auf keinen Fall für Anfänger empfehlen. Dies kann daher rühren, in der Natur, werden meistens größere Kolonien gefunden, dies hat mir nicht ein Händler mitgeteilt, sondern ein mir sehr vertrauenswürdiger Biologe, der nicht damit handelt, sondern einen Freund hat, der mit/an Ameisen forscht. Nur so nebenbei!
In diesen Kolonien, befinden sich immer mehrere Königinnen, auch welche die als Arbeiterinnen funktionieren. Da mir bei Harpegnathos venator nicht bekannt ist, ob diese mit Gamergate funktionieren?, gehört natürlich für mich Glück dazu, die begattete Königin inkl. Kolonie zu bekommen.
Auch ist die Haltung nicht so einfach, wie es manchmal erklärt wird, es ist sehr schwierig, eine hohe Luftfeuchtigkeit und gleichzeitig einen trockenen Bodengrund zu bekommen.
Hier hat es sich bei mir bewährt,
Sand-Lehm zu nehmen, eine Mulde zu formen und darüber eine Acrylglasplatte zu legen. Darüber lege ich einen flachen Stein und kann ab und zu nachsehen.
Nur so, werden sie die Gründung, wie in der Natur in einer Nestkammer beginnen. Damit ist gewährleistet, daß sie ihren Müll nicht im Nest lagern und sich dadurch ein recht hohes Risiko ergibt, einen Milbenbefall zu bekommen.
Daher kann ich diese Ameise auch überhaupt nicht, für künstlich Nester, ob Kunststoff oder Ytong empfehlen.
Zusätzlich benötigt diese Ameise Microheimchen als Nahrung, die ihnen lebend, ständig zur Verfügung stehen sollte! Aber nicht viele Futtertiere eingeben, denn sonst ergeben sich Störungen, die diese Ameisen damit bekämpfen, in dem sie ihr Nest verschließen. Dann hat man zwar Futter im Becken, aber die Ameisen fressen immer wieder nur ihre Brut.
So oder so gesehen, interessante Tiere, die aber ständige Beobachtung und Fingerspitzengefühl verlangen!
Bei Hölldobler, Die Welt der Ameisen, ist meines Erachtens, der beste beschriebene Bericht über Harpegnathos saltator gegeben.
Wie ich die Haltung gestalte, kannst Du auf meinem Kanal auf Youtube, dir noch mal ansehen.
Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen,
Gruß, Steffen
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Steffen Kraus
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon pandi2009 » Freitag 2. März 2018, 09:34

Hallo Steffen,

danke für die ausführlichen Infos.

Bzgl. der Nestform bin ich jetzt doch etwas verwirrt.... nach einer erfolgreichen Gründung werden anscheinend immer künstliche Nester verwendet, die einen Mittelgang und davon links und rechts (diagonal) anliegende Kammern haben.

So wäre es angeblich auch in der Natur?


Gruß

Pandi
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon Steffen Kraus » Freitag 2. März 2018, 10:23

Hallo Pandi,
dies ist schon richtig! Ich habe ja auch von der Gründung geschrieben, nicht von der Haltung einer größeren Kolonie. Wie die Nestform in der Natur von den Ameisen gestaltet wird, findest Du im Buch von Hölldobler,
als Zeichnung, die den Querschnitt zeigt.
Wie ich schon geschrieben habe, liegt eine Schwierigkeit in der erfolgreichen Haltung daran, daß die Ameisen Müll in einem zu großen angebotenen Nest lagern.
Absolut schlecht bei Harpegnathos!
Wenn ich das Internet so durchgehe, finde ich keine Halteberichte, die über eine längere Zeit erfolgreich in künstlichen Nestern gehen.
Könntest Du so lieb sein und uns diese nennen oder einen Hinweis geben wo man diese findet?
Gruß und Danke,
Steffen
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon pandi2009 » Freitag 2. März 2018, 11:00

Hallo Steffen,

ich habe eigentlich nirgends "längere" Haltungsberichte gefunden, egal mit welcher Nestform, deswegen habe ich ja auch dieses Thema hier im Forum gestartet.

Es gibt noch eine Videoreihe eines zugegebenermaßen etwas "sonderbaren" Youtubers:

https://www.youtube.com/watch?v=qvCEo4x ... c3gzaCD2Lw


Gruß

Pandi
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon Steffen Kraus » Samstag 3. März 2018, 19:01

Hallo Pandi,
danke für den Hinweis dies Halteberichtes. Nun meine Meinung hat sich hier nicht verändert zu den Haltebedingungen dieser Ameisen.
Warum?
Auch wenn die Harpegnathos venator hier vorbildlich gehalten werden, dies ist jedoch bestimmt sehr guter Pflege geschuldet!
Da möchte ich darauf hinweisen, dieser Haltebericht geht gerade erst 6-7 Monate. Es sollten nach meiner Erfahrung schon viel mehr Arbeiterinnen sein.
Also fehlt irgend etwas, was es genau ist, ich weiß es nicht!
Da kann man dem Halter keine Schuld geben.
Ich kann mich nur wiederholen, sie sollten immer jagen können, ohne im Futter zu schwimmen, dann produzieren sie sehr viel Brut, kleistern aber leider ihr Nest mit den Nahrungsresten zu(Milbengefahr).
Daher eine Gründungskammer usw..........
Eines sollte ich vieleicht noch anhängen, um meine festgefahrene Meinung zu erklären,
daß Nest sollte ab der Gründung mitwachsen können! Dies geht nicht mit vorgefertigten/künstlichen Nestern, sondern nur mit natürlichem Bodengrund.
Nur so kann man Kolonien bis 200 Tiere heranziehen, mehr kann ich leider nicht schreiben.
Was man sich letztlich kauft und welcher Beratung man Glauben schenkt, muß jeder selbst entscheiden und bezahlen.......
Gruß,
Steffen
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Re: Harpegnathos venator vs. Harpegnathos saltator

Beitragvon Phillip Alexander » Sonntag 4. März 2018, 09:55

Steffen Kraus hat geschrieben:Daher kann ich diese Ameise auch überhaupt nicht, für künstlich Nester, ob Kunststoff oder Ytong empfehlen.

Ich habe vor ein paar Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht, in einem Ytongnest gab es zwar immer wieder Eier und kleine Larven, ging aber kaum voran. Als ich die Kolonie fast aufgegeben hatte, habe ich sie einfach in ein bepflanztes Becken mit 10cm hohem Lehmboden „geschmissen“ und dann ein paar Monate nichts mehr von ihnen gesehen.
Als ich sie dann ausgegraben habe, um zu sehen ob sie noch leben, hatten sie sich vermehrt und zahlreiche Puppen und Larven. Ich habe sie dann damals leider wieder in ein Ytongnest verfrachtet und die Arbeiterinnen und Königin sind dann recht schnell verstorben.

Ich kenne zwar auch Personen, bei denen zumindest mittelfristig die Haltung in einem Ytongnest gut funktioniert hat, aber es scheint heikel zu sein - wie Steffen angedeutet hat liegt das sicher manchmal auch daran, dass aus Asien viel Murks kommt, weil in viel zu großen Mengen gesammelt wird und Kolonien zerrupft werden.

Ich habe es mal ausprobiert und Kolonien zusammengesetzt, es ist kein Problem bei dieser Art. Die Kolonien im Handel werden größtenteils auch so zusammengeworfen worden sein, dass sie zufällig immer dieselbe Zahl Arbeiterinnen haben.

Harpegnathos saltator habe ich noch nicht gehalten, aber live gesehen und sie sind schon ein deutliches Stück kleiner als H. venator, aber eben farblich sehr hübsch.

LG, Phillip
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