Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Hier können Fragen rund um Formicarienbau, Einrichtung und Zubehör gestellt werden.

Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Freitag 14. Dezember 2018, 23:13

Seit Sommer diesen Jahres bietet ein spanischer Ameisenshop (Anthouse) ein modulares Nestsystem an, dass sich beliebig erweitern und an den wachsenden Platzbedarf der Kolonie anpassen lässt. Ich habe mir aus Neugier das Start-Set bestellt, dass aus drei unterschiedlichen Modulen besteht:

1x Nestmodul, einfach befeuchtet(10x10cm)
1x Nestmodul, doppelt befeuchtet (10x5cm)
1x Arena (10x10cm/7x7cm)

Die einzelnen Module lassen sich durch Kunststoff-Stecker miteinander verbinden, so dass nervige Plastikschläuche endlich überflüssig sind. Die Nestmodule erhalten die jeweils gewünschte Feuchtigkeit aus "Gips-pilzen", die in kleinen, mit Wasser gefüllten Plastikwannen unter den Modulen enden. Zur besseren Veranschaulichung ein kurzes Video des Herstellers, ich hoffe, die Idee kommt rüber:



Heute kam die Bestellung bei mir an, ich bin auf den ersten Blick von der Passgenauigkeit und der sauberen Verarbeitung begeistert!

Ob die Nester aber tatsächlich etwas taugen (oder nicht), wird ein Langzeittest zeigen, an dem ich euch hier gerne teilhaben lassen will. In den nächsten Tagen stelle ich euch das System etwas näher vor. Bis es dann aber "richtig" losgeht, müssen wir uns allerdings noch etwas gedulden: Die kostenlos mitgelieferte Gyne [Messor barbarus] ist natürlich gleich wieder in die Winterruhe geschickt worden, in der sie bis Februar/März auch bleiben soll. Spätestens also dann wird aus diesem vorläufigen "Warentest" (hoffentlich!) ein "Bau- u. Haltungsbericht".
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Trailandstreet » Samstag 15. Dezember 2018, 10:09

Wenn es so funktioneiert, wie geacht, dann ist das für den Anfang ein schön übersichtliches System, in dem man seine Jungkolonie etwas heranziehen kann.
Wie lange es so funktioniert, hängt davon ab, wie sich das Volk entwickelt.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Merkur » Samstag 15. Dezember 2018, 17:54

Hallo Emse,

Du könntest im „Blindversuch“ schon mal testen, ob die „Gipspilzchen“ längere Zeit durchhalten.
Ich habe beobachtet, dass die Gipsbeläge am Boden unserer 3-Kammer-Formikarien mit der Zeit (Monate bis 1-2 Jahre!) Auflösungsspuren zeigten, vor allem in der Nähe der Stelle, wo die Wasserschälchen standen. - Wir haben eine Gipssorte für Stuck benutzt (bleibt länger streichfähig, härtet langsamer aus).
Manche Ameisenarten (stark bei Monomorium pharaonis!) knabbern so allmählich feuchten Gips an; manchmal haben sie sogar Gänge darin angelegt.
Besteht die Möglichkeit, dass Ameisen in dem Anthouse-Nest sich bis in die darunter liegende Wasserkammer durch die Gipspilze nagen?
Gibt es die Pilzchen nachzukaufen?

MfG und schönen Sonntag,
Merkur
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Serafine » Samstag 15. Dezember 2018, 22:41

Merkur hat geschrieben:Besteht die Möglichkeit, dass Ameisen in dem Anthouse-Nest sich bis in die darunter liegende Wasserkammer durch die Gipspilze nagen?

Bei Messor barbarus auf jeden Fall, die sind ja wohlbekannt dafür, dass sie sich durch Gips, Ytong, Sandstein und Holz nagen können. Die Frage ist halt, ob sie es auch tun.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Sonntag 16. Dezember 2018, 14:32

Trailandstreet hat geschrieben:Wenn es so funktioneiert, wie geacht, dann ist das für den Anfang ein schön übersichtliches System, in dem man seine Jungkolonie etwas heranziehen kann. Wie lange es so funktioniert, hängt davon ab, wie sich das Volk entwickelt.

Es lassen sich, bei wachsender Koloniegröße, problemlos weitere Nestmodule und Arenen ankoppeln, die Ameisenkolonie kann theorethisch also in´s "unendliche" wachsen.


Merkur hat geschrieben:Du könntest im „Blindversuch“ schon mal testen, ob die „Gipspilzchen“ längere Zeit durchhalten.
Ich habe beobachtet, dass die Gipsbeläge am Boden unserer 3-Kammer-Formikarien mit der Zeit (Monate bis 1-2 Jahre!) Auflösungsspuren zeigten, vor allem in der Nähe der Stelle, wo die Wasserschälchen standen. - Wir haben eine Gipssorte für Stuck benutzt (bleibt länger streichfähig, härtet langsamer aus).
Manche Ameisenarten (stark bei Monomorium pharaonis!) knabbern so allmählich feuchten Gips an; manchmal haben sie sogar Gänge darin angelegt.
Besteht die Möglichkeit, dass Ameisen in dem Anthouse-Nest sich bis in die darunter liegende Wasserkammer durch die Gipspilze nagen?
Gibt es die Pilzchen nachzukaufen?
Serafine hat geschrieben:Bei Messor barbarus auf jeden Fall, die sind ja wohlbekannt dafür, dass sie sich durch Gips, Ytong, Sandstein und Holz nagen können. Die Frage ist halt, ob sie es auch tun.

Guter Punkt, und richtig bemerkt! Danke für den Input! ;)

Das Problem, dass (feuchter) Gips nicht ewig haltbar ist (und evtl. auch angeknabbert wird), ist dem Hersteller bekannt. Die Gips-pilze laufen daher als "Verbrauchsmaterial", bzw. als "Verschleissteile". Die Lebensdauer eines Pilzes gibt er (je nach Beanspruchung) mit 6 - 24 Monaten an, der Pilz sollte also von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden. (Bei der Gelegenheit lassen sich die einzelnen Module ggf. auch reinigen.) /edit, @ Merkur: Habe eines der Pilzchen in ein Glas Wasser gestellt und werde in den nächsten Tagen/Wochen beobachten, ob der Gips dadurch weich, bzw. brökelig wird.

Für mich übrigens schwer vorstellbar, in den Modulen "Winz-Ameisen" zu halten. Bei den Kammerhöhen (und Spaltmaßen der Verbindungs-stecker) sind die Module wohl auch nicht für die Haltung sehr kleiner Ameisen gedacht.

Hier das kleinere Nestmodul (10x6cm) in der Draufsicht. Die Innenmaße der Kammer betragen 7x4x1cm, es sind zwei Bewässerungspilze installiert. Dass die Pilze ordentlich Wasser ziehen können, lässt sich auf dem Bild gut an der Färbung ablesen: Bereits nach wenigen Minuten verfärbt sich der Gips von Hellblau (trocken, rechts) zu Dunkelblau (feucht, links) , es lässt sich so also leicht erkennen, ob das Nest feucht oder trocken ist und man kann ggf. etwas Wasser nachfüllen.

Bild

Bild


Seitenansicht / Ob die Messor sich duch den Gips knabbern werden, wird sich zeigen. Ich bin gespannt! Auf jeden Fall hätten sie aber eine ordentliche Wegstrecke vor sich, denn unter dem Modulboden befindet sich zusätzlich ein ca. 10mm langer Kunststoffmantel um den Gibskern. Zusammen mit der Stärke der Bodenplatte (3mm) und dem "Kopf" des Pilzes (5mm) müssten sie sich also erstmal durch 18mm Gips nagen, um durch den Boden des Nestes verschwinden zu können.

Bild


Die Gipspilze lassen sich übrigens für weniger als einen Euro pro Stück nachbestellen.

Bild

Wünsche allen einen schönen Sonntag!
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Trailandstreet » Sonntag 16. Dezember 2018, 22:38

Für sowas ließe sich wohl leicht eine Silikonform herstellen, dann kann man für einen Euro gleich ein Dutzend produzieren.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Montag 17. Dezember 2018, 20:31

So sah die Anlage noch bis vor einer Stunde noch aus:

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Weil die Ameisen von Anfang an einen trockenen (Körner) und einen feuchten (Brut) Nestbereich haben sollen, habe ich mir noch ein weiteres Nestmodul (10x10cm) dazu bestellt. Außerdem eine größere Arena (20x10/17x7cm), die vorherige sah mir doch etwas dürftig aus. Der Umbau war eine Sache von wenigen Sekunden.

Bild
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Mir gefallen die passgenauen roten Abdeckungen auf den Nestmodulen. Um zusätzlichen Lichteinfall zu vermeiden, werde ich an den Seitenwänden der Nester noch eine Banderole aus schwarzem Karton anbringen. Übrigens (@ Serafine), nur für den Fall: Die Module sind keine Billig-Massenware aus China ("China-Nester"), sondern werden in einer kleinen Manufaktur im Süden Spaniens (Trebujena, Andalusien) hergestellt. ;)
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Merkur » Dienstag 18. Dezember 2018, 17:21

Hallo Emse,

Mir kommt angesichts der AntHouse-Konstruktion als eventuell passende Besetzung die Gattung Technomyrmex in den Sinn. - Kleiner Scherz. :D

Die Gestaltung von Formikarien ist natürlich Geschmackssache, und solche übersichtlichen Konstruktionen sind für Forschungszwecke vielleicht (artabhängig) geeignet, für die Hobby-Haltung gefallen sie mir allesamt nicht.
Eine Ameisenart (Messor sp.), die viel und tief gräbt und sehr weit läuft, in so einer Anlage, das erinnert mich an die frühere Zootierhaltung (die Zeiten sind zum Glück vorbei): Elefanten in maßgeschneiderten Boxen, vorne starke Eisenstangen, seitlich und hinten Beton, und der Kerl kann sich nicht mal hinlegen (so gesehen 1965 in Südfrankreich). Ähnlich war es mit Zirkustieren in ihren Wagen, aber die hatten wenigstens bei den Vorführungen mal etwas Abwechslung und Bewegung.
Nun muss man Ameisen keine Psyche unterstellen; so lange ihre Anforderungen an Klima, Futter und Wasser sowie dunkles Nest erfüllt sind, dürften sie gedeihen und sich (scheibar?) „wohl fühlen“.

Schöner finde ich schon so etwas (nur als Beispiel).
Das ist dann doch ein Unterschied wie zwischen einem Goldfischglas und einem gepflegten Aquarium.

Aber ich will Dir den Versuch nicht ausreden: Schwächen und Stärken des Systems sind auch für andere User und potenzielle Käufer interessant!
(Der seitliche Lichteinfall ist übrigens bei normaler Zimmer-Beleuchtung kein Problem; das hatten wir auch bei unseren Objektträger-Nestern. Nur bei Filmaufnahmen mit sehr starker Beleuchtung mussten wir mal die Seiten mit Kartonstreifen abdunkeln).

MfG,
Merkur
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Serafine » Mittwoch 19. Dezember 2018, 07:33

Für eine kleine Messorkolonie dürfte die Anlage garnicht mal so unbrauchbar sein (würde ihr noch einen Bodenanstrich mit Sand-Lehm-Mischung verpassen), vorausgesetzt man hängt noch ein einigermaßen großes Becken dran (dann können sie die integrierte Arena als Kornspeicher nutzen) und die Ameisen beschließen nicht die Gipspilzchen zu zernagen. Bei zunehmender Größe wird das ganze auf Dauer dann aber ohnehin unhaltbar (Messorkolonien werden ja recht schnell sehr groß, so viele zusätzliche Elemente kann man garnicht anhängen).

Mit kunstvoll dekorierten Becken wäre ich bei Messor barbarus auch eher vorsichtig, die sind ja weithin sehr bekannt dafür, dass sie alles abreißen, zernagen und in seine Bestandteile zerlegen, was nicht niet- und nagelfest oder hart wie Glas ist (quasi die Keas unter den Ameisen :D). Auf kurz oder lang sehen die Arenen dann ohnehin aus wie postapokalyptisches Ödland, da erspart einem eher spärliche Dekoration eine Menge Ärger (dann können sie wenigestens nur noch die Tränken zernagen...).
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Reber » Mittwoch 19. Dezember 2018, 14:47

Ich würde den Versuch jetzt einmal in aller Ruhe durchführen. Meine Messor barbarus haben im Frühjahr 2016 gegründet, im Herbst 2017 hatte es die Kolonie erst auf 50 Tiere gebracht, im Sommer dann auf etwa 120 und jetzt in der Winterruhe habe ich geschätzte 200 Ameisen. Wobei ich den Eindruck habe, dass die kleinen und mittleren Arbeiterinnen nicht sonderlich alt werden...

Bei mir wären die Tiere also problemlos 3 Jahre in der Anlage zurecht gekommen.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Serafine » Mittwoch 19. Dezember 2018, 16:56

Also 200 Arbeiterinnen nach 2 Jahren für Messor barbarus klingt aber nicht wirklich gesund, das sind eher Zahlen die man bei Camponotus ligniperda erwarten würde. Hältst du die auf Zimmertemperatur oder ist das Nest evtl. sehr trocken? Eigentlich sollten das mittlerweile mindestens 2000 Ameisen sein, nicht 200 (meine Camponotus barbaricus, die eigentlich langsamer wachsen sollten als Messor barbarus, haben es innerhalb eines Jahres von 4 auf über 1000 gebracht).
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Reber » Mittwoch 19. Dezember 2018, 21:48

Tja, das hab ich auch oft gelesen. Nur, meine Messor barbarus entwickeln sich halt anders. Und ich wüsste nicht, was ich falsch machen würde. Es gibt zwei Nestblöcke aus Ytong, einer eher trocken gehalten, einer eher feucht. Die Nestteile werden - ausserhalb der Winterruhe - mit einer Heizmatte beheizt, ab Frühjahr betreibe ich die Matte tagsüber mit Unterbrüchen, die gegen Mittag kürzer werden, ab 14 Uhr wieder länger, denn wird es auf der Glasscheibe im Nest (wo ich direkt drauf messe) 26 C° oder wärmer, ziehen sich die Tiere in die unbeheizte Nestteile zurück. Ich füttere viel, hauptsächlich verschiedenste Körner, selten tote Insekt. Wasser wird ständig im RG angeboten. Hier die Anlage:

Messor Nestblöcke.JPG
Messor Kornkammer.JPG
Messor Arena.JPG


Gründende Camponotus ligniperda (ohne pushen) innerhalb von zwei Jahren auf zweihundert zu bringen, halte ich auch für recht "sportlich". Allerdings heize ich hier nicht, weil die Art sonst schon im Juni auf Winterruhe macht. Aber vielleicht sind die Gynen ja einfach verschieden - oder ich hab einfach ein schlechtes Händchen für Ameisen... ;)

Falls das alles hier zu OT wird, Emse, mache ich gerne einen Diskussionthread auf.

Was ich sagen will, lassen wir das Experiment doch einfach zu. Ich bin gespannt auf das Resultat...
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Mittwoch 19. Dezember 2018, 22:07

Vielen Dank für die weiteren Infos, Meinungen und Anregungen!

Ob ein Formikarium "schön" ist oder nicht, liegt wohl im Auge des Betrachters. Ich z.B. mag keine (ellenlangen) Verbindungs-schläuche mehr sehen, habe eine regelrechte Abneigung gegen diese krummen "Gurken" entwickelt, die m.E. lediglich Behelf sind, um Nester und Arenen "irgendwie" miteinander zu verbinden. Und ich habe mich satt gesehen an den daran anhängigen (klobigen) Schlauch- u. Beckenverbindern (hauptsächlich aus dem Sanitärbereich), nebst diversen Reduzierstücken, Verteilern und Stopfen.

Die AntHouse-Modelle sind meines Wissen bisher die einzigen (ernstzunehmenden) Modul-Nester, die gleichzeitig eine ins System passende Arena anbieten, ohne auf Verbindungs-schläuche (etc.) zurückgreifen zu müssen. Und ich empfinde das Design der Module insgesamt als gelungen und tatsächlich auch als "schön". Ich würde mich freuen, wenn andere Hersteller modularer Nester (z.B. SimAnts) diesen Umstand berücksichtigen und zukünftig ebenfalls zu ihren jeweiligen Modulen passende Arenen (im gleichen Raster) anbieten. ;-)

Aber funktionell und Artgerecht soll es natürlich bleiben. Jeder (ernsthafte) Halter wünscht sich sicher "glückliche Ameisen"! :D
"Klima, Futter und Wasser" sollten schon mal passen. Dass Messor "gerne" graben und laufen, werde ich in der weiteren Gestaltung der Anlage versuchen zu berücksichtigen. Und Messor barbarus werden es für mich auf jeden Fall bleiben, u.a. auch aus praktischen Gründen: Da ich öfter mal auf Reisen bin, kann ich die Kolonie auch mal für längere Zeit sich selbst überlassen (mit ausreichend großem Körner- u. Wasservorrat, selbstverständlich.)

Reber hat geschrieben:Falls das alles hier zu OT wird, Emse, mache ich gerne einen Diskussionthread auf.

Nee, das passt schon, alles gut!

Reber hat geschrieben:Was ich sagen will, lassen wir das Experiment doch einfach zu. Ich bin gespannt auf das Resultat...

Es wird stattfinden. Und gespannt bin ich auch. :)
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Trailandstreet » Donnerstag 20. Dezember 2018, 09:16

Für gewisse Arten, die nicht gerade hohe Ansprüche ans Raumklima stellen, also eher Trockenheit liebende Arten, dürfte es sicher praktikabel sein.
Der weitere Ausbau nach und nach, ist für manchen sicher interessant.

Meine Messor hab ich die letzten paar Jahre gar nicht mehr beheizt, weil es zum einen schon recht früh warm wurde und sie auch im Winter nicht wirklich Ruhe gaben.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Serafine » Freitag 21. Dezember 2018, 16:57

Reber hat geschrieben:Tja, das hab ich auch oft gelesen. Nur, meine Messor barbarus entwickeln sich halt anders. Und ich wüsste nicht, was ich falsch machen würde. Es gibt zwei Nestblöcke aus Ytong, einer eher trocken gehalten, einer eher feucht. Die Nestteile werden - ausserhalb der Winterruhe - mit einer Heizmatte beheizt, ab Frühjahr betreibe ich die Matte tagsüber mit Unterbrüchen, die gegen Mittag kürzer werden, ab 14 Uhr wieder länger, denn wird es auf der Glasscheibe im Nest (wo ich direkt drauf messe) 26 C° oder wärmer, ziehen sich die Tiere in die unbeheizte Nestteile zurück. Ich füttere viel, hauptsächlich verschiedenste Körner, selten tote Insekt. Wasser wird ständig im RG angeboten.[...]

Die Temperatur an der Scheibe wird wahrscheinlich nicht wirklich der Temperatur im Nest entsprechen. Je nach Material (Acryl, Glas) dürfte es im Nest deutlich wärmer als 26°C werden.

Was mir auf den Bildern als erstes auffällt:
- Es gibt EXTREM wenig Brut (das mag auch der Winterruhe geschuldet sein, aber normalerweise haben Ameisen eher mehr Brut als Arbeiterinnen, nicht umgekehrt).
- Diese riesige Blob Ameisen am Eingang des Verbindungsschlauchs (evtl. wegen Licht?)

Die Anlage sieht eigentlich super aus, daran sollte es nicht liegen. Hast du mal versucht die Körner zu zerreiben, gekochtes Rührei, Mandeln, Nüsse, Schinken, Schrimps oder ähnliches zu verfüttern? Oder mal Salzwasser angeboten? Salzmangel könnte mir beispielsweise als mögliches Problem vorstellen.

Reber hat geschrieben:Was ich sagen will, lassen wir das Experiment doch einfach zu. Ich bin gespannt auf das Resultat...

Ich ebenfalls. Halte das Nest wie gesagt für kleine Kolonien durchaus für brauchbar, würde aber noch eine externes Becken anschließen.
Auch wenn man Schläuche nicht mag, viele Ameisen müssen nun mal laufen - bei Messor mag das vielleicht noch funktionieren, aber gerade viele Camponotusarten haben eine extreme Tendenz sich totzulaufen, wenn keine ausreichenden Laufwege vorhanden sind.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Freitag 21. Dezember 2018, 20:55

Kurzer Zwischenstand und ein Ups! :redface:

Bin auf den Gedanken gekommen, dass man den Bewässerungsteil der Module eigentlich gar nicht unbedingt sehen muss, zumindest nicht zu jeder Zeit. Habe die Anlage daher "tiefer" gelegt. (Darauf gehe ich in einem späteren Beitrag noch etwas genauer ein.)

Hier ein Modul in der Seitenansicht, alles unterhalb der weißen Bodenplatte des Nestes wird "versteckt":

Bild

Und so sieht es dann "über Tage" aus, die Module liegen nun "flach":

Bild

Jetzt aber zum Eigentlichen, habe gerade mal gemessen: Die Nester selbst haben ja eine Kammerhöhe von 10mm, was ich für Messor barbarus für passend halte. Die Verbinder der Module kommen jedoch nur auf einen Innen-Durchmesser von gerade mal 7mm. Das könnte knapp werden, gerade wenn zwei Majore samt Korn in den Mandibeln aneinander vorbei wollen:

Bild

Bleibt abzuwarten, ob die Ameisen damit umzugehen wissen. Allerdings: Die Länge der Verbinder beträgt nur ca. 25mm, vielleicht passt es ja doch? :roll:

Bild
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Sonntag 23. Dezember 2018, 19:10

Einen Blick in das derzeitige "Winterlager" (Isolierbox auf dem Balkon) der Gyne konnte ich mir heute einfach nicht verkneifen. Bei der Gelegenheit habe ich ihr (wider besseren Wissens, da Messor barbarus claustral gründet) gleich mal einen Tropfen Wasser und ein paar feine Grassamen spendiert. Die Samen sind abgezählt und ich werde in einer Woche nachschauen, ob sie (vielleicht ja doch) einen oder mehrere davon angenommen hat.

Bild

Sie ist gesund und munter, kein Wunder bei derzeitigen Tageshöchsttemperaturen von bis zu 18°C auf Mallorca. :crazy:

Btw, für eventuelle Neu-einsteiger, zum Gründungsverhalten von Ameisen:

Claustrale Gründung / Semiclaustrale Gründung / Quelle: Wikipedia

Als claustrale Gründung bezeichnet man in der Myrmekologie den Vorgang, bei dem eine Ameisenkönigin eine Kolonie neu und selbständig gründet. Nach der Paarung wirft sie ihre Flügel ab, vergräbt sich in einer Gründungskammer und verschließt diese. Dort legt sie die ersten Eier, aus denen sich dann Larven, Puppen und später Arbeiterinnen entwickeln. Dabei zieht die Königin die Reserven für die Aufzucht der Larven aus ihrem Körper, indem sie Flugmuskulatur und Fettkörper (Fetteinlagerungen in der Gaster) abbaut. So konnte unter Labor-Bedingungen beobachtet werden, dass eine gründende Camponotus-Königin bis zu 1 ¼ Jahre ohne Nahrungsaufnahme überleben kann. Mit den ersten Arbeiterinnen wird die Kammer geöffnet, und sie verlassen das Nest zur Nahrungsaufnahme.

Die semiclaustrale Gründung verläuft ähnlich, nur dass die Königin während der Gründungsphase das Nest zur Nahrungsaufnahme verlässt. Bei Arten mit semiclaustraler Gründung haben die Königinnen weniger Reserven und sind auch kleiner als bei claustral gründenden Arten.


Und weit ausführlicher, im Ameisenwiki: Gründung / https://www.ameisenwiki.de/index.php/Gr%C3%BCndung
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Reber » Sonntag 23. Dezember 2018, 21:13

Serafine hat geschrieben:Die Temperatur an der Scheibe wird wahrscheinlich nicht wirklich der Temperatur im Nest entsprechen. Je nach Material (Acryl, Glas) dürfte es im Nest deutlich wärmer als 26°C werden.


Bestimmt. Nur habe ich eben oft gelesen, dass Messor barbarus Temperaturen bei zu 30°mögen. So heiss wird es direkt auf der Matte. Zischen dieser und dem Nestboden liegen aber noch 3 cm Porenbeton, die Temperatur im Nestteil mit unterlegter Heizmatte liegt also irgendwo dazwischen.

Serafine hat geschrieben:Was mir auf den Bildern als erstes auffällt:
- Es gibt EXTREM wenig Brut (das mag auch der Winterruhe geschuldet sein, aber normalerweise haben Ameisen eher mehr Brut als Arbeiterinnen, nicht umgekehrt).
- Diese riesige Blob Ameisen am Eingang des Verbindungsschlauchs (evtl. wegen Licht?)


Das ist auch richtig, das Volk zieht bei mir während der Winterruhe keine neue Brut auf. Es gibt nur noch Larven. Ein Teil der Brut ist ausserdem nicht sichtbar, da ihn die Ameisen in das Stück Verbindungsschlauch zwischen den Nestblöcken getragen haben. Das tun sie immer bei Lichteinfall. Da diesmal für das Foto beide Nestblöcke gleichzeitig betroffen waren, stürmten sie von beiden Seiten in den Schlauch und es gab kaum noch Platz darin.

Serafine hat geschrieben:Die Anlage sieht eigentlich super aus, daran sollte es nicht liegen. Hast du mal versucht die Körner zu zerreiben, gekochtes Rührei, Mandeln, Nüsse, Schinken, Schrimps oder ähnliches zu verfüttern? Oder mal Salzwasser angeboten? Salzmangel könnte mir beispielsweise als mögliches Problem vorstellen.


Ich hab von Erne inzwischen noch per PN den freundlichen Hinweis bekommen, dass er den einen Nestteil für zu trocken hält, weil Messor bei ihm die Körner nicht so nahe bei der Brut lagern, wenn es dort feucht genug ist. Ich habe inzwischen den Tank vergrössert und bewässere jetzt häufiger. Am Futter sollte es nicht liegen, Nüsse habe ich bisher schon zerdrückt gereicht, dennoch, ich füttere künftig etwas mehr Insekten und zerdrücke ein Teil der Körner. Mal sehen, ob es was bringt.

Emse hat geschrieben:Die Verbinder der Module kommen jedoch nur auf einen Innen-Durchmesser von gerade mal 7mm. Das könnte knapp werden, gerade wenn zwei Majore samt Korn in den Mandibeln aneinander vorbei wollen


Denke nicht, dass das ein Problem wird. Ich benutze bei meinen einen 10 mm Schlauch, Innendurchmesser: 8 mm. Die Tiere kommen gut aneinander vorbei.
Drücke auf jeden Fall die Daumen, dass die Gründung klappt!
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Serafine » Dienstag 25. Dezember 2018, 11:15

Reber hat geschrieben:Bestimmt. Nur habe ich eben oft gelesen, dass Messor barbarus Temperaturen bei zu 30°mögen. So heiss wird es direkt auf der Matte. Zischen dieser und dem Nestboden liegen aber noch 3 cm Porenbeton, die Temperatur im Nestteil mit unterlegter Heizmatte liegt also irgendwo dazwischen.

Keine Ahnung wie deine Messor ticken, aber bei meinen C. barbaricus (die ja aus dem selben Gebiet kommen) konnte ich beobachten, dass sie den Temperatur-/Luftfeuchtigkeitsgradient im Nest sehr gut ausnutzen.
Generell werden Puppen am oberen Ende beim Wärmekabel gelagert (da dürfte es so um die 28-30°C) haben, die kleineren Larven eher in der Mitte und die großen Larven in den kammern dazwischen. Eier kommen dagegen meist ganz ans anderen Ende in die ans Nest angeschlossenen Wasser-RGs. Bei allen Stadien findet eine gewisse Rotation statt (ab und zu sieht man auch Eier an der Seite mit dem Wärmekabel) und es werden (wenn genug da) auch gern Puppen benutzt um den oberen Teil des Nests mit einer Wand aus Puppen noch mehr abzutrennen und die Wärme quasi zu stauen. Puppen kurz vor dem Schlupf werden häufig in die Wasser-RGs getragen.

Reber hat geschrieben:Ich hab von Erne inzwischen noch per PN den freundlichen Hinweis bekommen, dass er den einen Nestteil für zu trocken hält, weil Messor bei ihm die Körner nicht so nahe bei der Brut lagern, wenn es dort feucht genug ist. Ich habe inzwischen den Tank vergrössert und bewässere jetzt häufiger. Am Futter sollte es nicht liegen, Nüsse habe ich bisher schon zerdrückt gereicht, dennoch, ich füttere künftig etwas mehr Insekten und zerdrücke ein Teil der Körner. Mal sehen, ob es was bringt.

Viel Glück, ich hoffe das wirkt und die Kolonie wächst schön ordentlich =)

Reber hat geschrieben:Denke nicht, dass das ein Problem wird. Ich benutze bei meinen einen 10 mm Schlauch, Innendurchmesser: 8 mm. Die Tiere kommen gut aneinander vorbei.
Drücke auf jeden Fall die Daumen, dass die Gründung klappt!

Also ich verwende auch Strohhalme mit 8mm Durchmesser als Zugang für die RG-Satellitennester, das reicht selbst den 18mm-Majoren bequem um aneinander vorbeizukommen. Sollte passen.
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Re: Messor barbarus / Haltung in einem modularen Nestsystem

Beitragvon Anon » Dienstag 25. Dezember 2018, 16:06

Ein paar erste Holz-Basteleien und das Rotlicht:

Bild

Ich will schon mal testen, ob die beiden Schwanenhals-LED-Lampen aus dem Baumarkt einen guten und blendfreien Einblick in die Nester ermöglichen. Habe mir für die Lampen noch passende rote Abdeck-kappen gebastelt, um die Ameisen nicht un-nötig mit zuviel Weißlicht zu ärgern. Für eigene Nahbeobachtungen taugen mir Lichtfarbe- u. stärke recht gut, aber auf Fotos machen sich die störenden Lichtreflexe der LEDs auf dem Acrylglas (noch) sehr un-angenehm bemerkbar.

Bild

Da gibt es noch einiges zu tüfteln und zu verbessern.

P.S.: Danke an Reber und Serafine!
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