Lasius fuliginosus ist monogyn und monandrisch!

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Lasius fuliginosus ist monogyn und monandrisch!

Beitragvon Merkur » Donnerstag 5. Juli 2018, 20:33

Weisellose Arbeiterinnen können fertil werden und Männchen produzieren. usw.

Es ist eine wichtige neue Arbeit, nachdem doch einige User diverser Foren sich mit der Koloniegründung der Art befassen.

Hier ist die zugesagte ergänzte Fassung (gestrige gelöscht):

van Elst, T. & Gadau, J., 2018: Temporal variation in social structure and worker reproduction in the temporary social parasite Lasius fuliginosus (Hymenoptera: Formicidae). Myrmecol. News 27: 75-85; Online Earlier, 5 July 2018
Frei zugänglich hier:
https://myrmecologicalnews.org/cms/inde ... Itemid=421

Abstract:
Ant societies exhibit striking diversity in their social systems, including variation in the number of queens and mating partners. Knowledge on the number of breeders in a colony is crucial for a better understanding of the evolution of social insect life history traits such as reproductive skew or worker reproduction.
Ameisenarten haben sehr unterschiedliche soziale Systeme, einschließlich Unterschieden in der Zahl der der Königinnen und der ihrer Paarungspartner. Die Kenntnis der Anzahl reproduzierender Individuen in einem Volk ist sehr wichtig für ein besseres Verstehen der Evolution solcher Merkmale in der Biologie sozialer Insekten wie „reproductive skew“ (ungleiche Fortpflanzung von koexistierenden Königinnen) sowie Arbeiterfertilität.

Little is known about the breeding system of the formicine ant Lasius fuliginosus (latreille, 1798), even though it is widely distributed in the Palearctic and able to compete ecologically with dominant genera like Formica.
(Wenig ist bekannt über das Fortpflanzungssystem der Formicine Lasius fuliginosus...)

Moreover, L. fuliginosus has a particularly interesting life history in that it is a temporary social parasite of several Lasius species, which themselves are temporary social parasites. We determined the number of (reproductive) queens and mating partners of L. fuliginosus colonies and queens, respectively, from a population in Münster, Germany. Workers from 33 colonies and males from 12 of these colonies were genotyped for four polymorphic microsatellite markers. Our results show that 29 of these colonies were monogynous and monandrous and that two colonies were monogynous and polyandrous.
Weiterhin hat L. f. eine besonders interessante Lebensweise, da sie temporärer Sozialparasit mehrerer Lasius-Arten ist, die ihrerseits temporäre Sozialparasiten sind. Wir bestimmten die Anzahl (reproduktiver) Königinnen und die Zahl der Paarungspartner von L. f. - Kolonien bzw. Königinnen in einer Population bei Münster, Deutschland. Arbeiterinnen aus 33 Kolonien und Männchen von 12 dieser Kolonien wurden genetisch typisiert mit Hilfe von vier polymorphen Mikrosatelliten-Markern.Unsere Ergebnisse zeigen, dass 29 der Kolonien monogyn waren und dass die Königinnen nur von je einem Männchen begattet waren (monandrisch), während zwei Völker mongyn und polyandrisch waren.

Workers of the remaining two colonies were derived from multiple queens, possibly due to adoption of unrelated queens after the original queen’s death.
Arbeiterinnen der zwei restlichen Völker stammten von mehreren Königinnen, vielleicht dank Adoption nicht-verwandter Königinnen nach dem Tod der ursprünglichen Königin.

Furthermore, genotyping of male offspring provided evidence for worker reproduction in three colonies, potentially also in response to queen orphanage in two of these.
Weiterhin ergab die genetische Typisierung von von Männchen aus drei Völkern, dass sie von Arbeiterinnen abstammten, möglicherweise auch infolge Weisellosigkeit bei zweien dieser Völker.

We estimated the mutation rate at one microsatellite locus in L. fuliginosus to be 1.46 × 10-3 mutations per generation, which is similar to what has been observed in Apis mellifera linnaeus, 1758 and Drosophila melanogaster Meigen, 1830.

To our knowledge, this is the first study to provide molecular insights into the breeding system of L. fuliginosus, which appears to be characterized by facultative polyandry and monogyny.
Unseres Wissens ist dies die erste Untersuchung, die molekulare Einblicke in das Fortpflanzungssystem von L. f. eröffnet. Anscheinend ist es durch fakultative Polyandrie und Monogynie charakterisiert.

In addition, L. fuliginosus now represents the second species in the genus Lasius for which worker reproduction has been documented.
Weiterhin ist L. fuliginosus die zweite Art der Gattung Lasius, für die Fortpflanzung von Arbeiterinnen nachgewiesen wird.

Aus dem Text:
...Hence, we could not confirm the previous findings on queen number, i.e., polygyny, in L. fuliginosus (see Collingwood 1979, Mattheis 2003, Seifert 2007).
This discrepancy can be explained in two ways. First, colonies that contain multiple queens but are effectively monogynous can lead to a difference between molecular (i.e., worker genotyping) and observational data on the number of queens. It is not known what studies the polygyny hypothesis for L. fuliginosus is based on since Collingwood, 1979, Mattheis 2003, and Seifert 2007 did not provide proper citations for their claims but, most likely, these findings are based on personal observations.
So konnten wir frühere Berichte über Polygynie bei L. f. (siehe Collingwood 1979, Mattheis 2003, Seifert 2007) nicht bestätigen.
Die Diskrepanz kann auf zweierlei Art erklärt werden: Erstens könnten Kolonien, die mehrere Königinnen enthalten, effektiv monogyn sein (nur eine der Gynen legt Eier), was Unterschiede zwischen den molekularen und den Beobachtungsdaten bewirkt. Zweitens ist unbekannt, welche Untersuchungen zur Polygynie-Hypothese für L. f. führten, da Collingwood, 1979, Mattheis 2003, und Seifert 2007 keine geeigneten Zitate für ihre Angaben liefern. Doch am wahrscheinlichsten beruhen diese Angaben auf persönlichen Beobachtungen.


S. 80 wird auch noch darauf verwiesen, dass die untersuchten Populationen von Münster und von den drei zitierten Autoren möglicherweise unterschiedliche Sozialsysteme aufweisen. Dies soll untersucht werden.

Arbeiterinnen-Reproduktion:
However, in the genus Lasius only L. niger workers were shown to produce males. We found evidence for worker reproduction in three of twelve L. fuliginosus colonies, now presenting the second Lasius species for which worker reproduction is documented.
In der Gattung Lasius wurde bisher nur für L. niger nachgewiesen, dass Arbeiterinnen Männchen produzieren können. L. fuliginosus ist damit die zweite Art der Gattung, für die das gezeigt wurde.

Anmerkungen:

- Bei der zitierten Arbeit Mattheis 2003 handelt es sich um seine Publikation in der Zeitschrift der DASW: Mattheis, Frank 2003: Bemerkungen zur temporär sozialparasitischen Koloniegründung von Lasius (Dendrolasius) fuliginosus. - Ameisenschutz aktuell 17: 7-19.
Ich (A. B.) hatte ihn seinerzeit (in den Anfängen des „Ameisenforum“) aufgrund seiner scheinbar überzeugenden Berichte zu einer Veröffentlichung gedrängt. - Wie jetzt die molekularen Untersuchungen zeigen, waren reine Beobachtungen wohl doch nicht ausreichend um Polygynie bei L. f. zuverlässig feststellen zu können. Genetische Untersuchungen waren damals noch nicht möglich!

- Bei Koloniegründungsversuchen durch Forenuser sollte man beachten, dass zugesetzte Arbeiterinnen (aus Puppen) möglicherweise selbst noch vor der Eiablage der L. f. - Königin fertil werden könnten, so dass zuerst eine Brut L. n. - Männchen aufgezogen werden könnte.

- Dass Arbeiterinnenfertilitär bisher nur bei zwei Lasius-Arten dokumentiert wurde, heißt nicht, dass sie bei allen anderen Arten ausgeschlossen wäre!

- Die vorliegende Publikation birgt sicher weitere interessante Informationen, auch für Halter von L. f.; ich habe nur das hier behandelt, was mir bei einer relativ raschen Durchsicht aufgefallen ist! (Es wir heutzutage auf dem Gebiet der Myrmekologie mehr publiziert als man lesen kann! :( )

Schlussbemerkung:
Eine solche Ausarbeitung würde ich nicht in mehreren Foren posten wollen, auch bei engerer Zusammenarbeit. Eine größtmögliche Zahl von potenziell Interessierten Haltern könnte durch Verlinkung derartiger Beiträge in den Foren erreicht werden.

MfG,
Merkur
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