Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erreicht Deutschland

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Beitragvon Reber » Freitag 12. September 2014, 11:10

Der Biologin Eva Arnold sind in ihrem Dahliengarten in Waghäusel bei Karlsruhe die ersten Bilder einer Art gelungen, die von Fachleuten lange erwartet wurde: Die Asiatische Hornisse, wissenschaftlicher Name Vespa velutina nigrithorax, hat sich nun den Weg auch nach Deutschland gebahnt.
(...)
Imker fürchten, dass sich die gewandten Insektenjäger vor allem an Bienenstöcken gütlich tun. Erfahrungen aus Asien legen das nahe, da die Hornisse dort eingeführte Honigbienenvölker bis zum Zusammenbruch schröpfen kann. Auch in Frankreich beklagen Imker Bienenverluste. Fachleute bezweifeln allerdings, dass die Verluste wirklich allein der Bejagung durch die Hornisse zuzuschieben sind. So werden nun die deutschen Imker sich bald selbst überzeugen können, ob und wie problematisch dieser Neubürger tatsächlich ist.

Hornissenschützer fürchten dahingegen eher um die seit 1987 besonders geschützte heimische Hornisse, die dieser invasiven Konkurrenz zum ersten Mal begegnen wird.

http://www.nabu.de/tiereundpflanzen/ins ... 17045.html


Weitere Infos zur Art: http://inpn.mnhn.fr/fichesEspece/Vespa_ ... esentation
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Re: Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erreicht Deutschlan

Beitragvon Boro » Freitag 12. September 2014, 16:14

Danke für die interessante Neuigkeit! Abgesehen von der Resistenz gegen die mitteleur. Winterkälte wäre jetzt vor allem interessant, wie diese Art mit unseren relativ niederschlagsreichen Sommern zurecht kommt. Vespula spp. und Vespa crabro fehlt die Möglichkeit ihre Nesthüllen gegen eindringende Feuchtigkeit zu schützen: Etwa durch ein wasserabweisendes Sekret, dass die hüllenlose Wabenoberseite der Feldwespen (Polistes spp.) sehr gut vor Nässe schützt (allerdings eben nur die eine Wabe), deshalb können auch alle Polistes-Arten (mit weitgehender Ausnahme v. Polistes dominula) ihre Nester fast ausschließlich im Freien anlegen.
Bei Vespula spp. gibt es meines Wissens nur eine Art, die ihre Nester fast ausschließlich im Freien der Witterung aussetzt, das ist Vespula (Dolichovespula) media; interessant: Ebenfalls vorwiegend schwarz gefärbt, die Gelbanteile sind sehr dünn "ausgefertigt". Ein Nest dieser seltenen Art hatten wir sogar vor vielen Jahren einmal im Garten, allerdings im dichten Gebüsch durch das Blättergewirr relativ gut geschützt.

Damit sind wir beim Thema: Einen "Sommer" wie diesen südlich des Alpenhauptkammes dürfte weder die heimische Vespula media noch ein Neozoon mit der Nestbauweise im Freien überlebt haben. So viele Niederschlagstage hatten wir sicher seit Jahrzehnten nicht! Dazu kamen unterdurchschnittliche Temperaturen, die zur Folge hatten, dass auch die heimischen Wespenarten allgemein sehr rar sind.
Ich gehe davon aus, dass sich Vespula velutina nur im Mittelmeerraum und klimatisch besonders begünstigten Zonen Mitteleuropas (z. B. Oberrheingraben, Pannonikum) dauerhaft etablieren könnte. In den übrigen mitteleurop. Zonen kann ein nasses Jahr wie dieses oder ein strenger Winter die Karten wieder neu mischen: Empfindliche Neuankömmlinge können absterben.

Abgesehen davon: Hornissen sind ungemein imposante Insekten, Vespa velutina ist eine Schönheit.....
L.G.
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Re: Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erreicht Deutschlan

Beitragvon Reber » Freitag 12. September 2014, 16:58

Hallo Boro,
die Tiere sind wirklich wunderschön - ich hätte in unseren Graden trotzdem lieber auf sie verzichtet. Denn anders als etwa bei der solitären Orientalischen Mörtelwespe Sceliphron curvatumder (ebenfalls wunderschön), haben die Hornissen einiges Schadpotenzial. Es wird sich zwar tatsächlich noch zeigen müssen, ob sie sich auch im niederschlaggsreichen Gebieten werden festsetzen können - so "einfach" wie in Südfrankreich wird das sicher nicht. Möglicherweise gerät sie so auch verstärkt in direkte Konkurrenz um Nistplätze am Trockenen mit den heimischen Wespen. Da wird man bald sehen, wer sich eher durchsetzen kann.

Natürlich ist es auch möglich, dass sie sich "integriert" ohne anderen Arten ernsthaft zu schaden. Hoffnungsvoll stimmt mich bisher, dass sich die asiatischen Hornissen hier z.B. gegenüber Bienen "anständiger" aufführen, als zu Hause und nur eher kleinere (wobei 2000 Tiere schon sehr viel sind) Völker ausbilden (können). Spannend wird auch zu beobachten sein, ob sich die Europäischen Honigbienen ebenfalls neue Verteidigungstechniken angewöhnen können, wie sie das in Asien bereits getan haben. Wir werden es sehen!
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Re: Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erreicht Deutschlan

Beitragvon Reber » Montag 5. Juni 2017, 10:42

Vespa velutina hat nun auch nachweislich die Schweiz erreicht. Einem Imker aus dem Jura ist es gelungen, am 26. April 2017 eine fortpflanzungsfähige Königin zu fangen. Das es ausgerechnet ein Imker war, ist kaum ein Zufall: Der Verband informiert schon länger und der Bienengesundheitsdienst hatte extra ein Flugblatt erstellt.

Der Bund will die Wespen bekämpfen, Erfahrungen aus Südfrankreich und die Ausbreitung der Tiere seit 2004 in Europa zeigen aber, dass das kaum effektiv gelingen wird.

Dafür zeigen andere Erfahrungen in Europ auch, dass die Tiere weniger aggressiv an Bienenstöcken jagen, als angenommen. Für gesunde Völker an grösseren Stände bedeutet die Hornisse keine existenzielle Gefahr. Den Imker dürfte allerdings ärgern, dass die Bienen beim Auftreten des Fressfeindes ihre Sammelflüge reduzieren...

Bild
Quelle: http://www.vespa-crabro.de/vespa-velutina-deutsch.htm
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Re: Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erreicht Deutschlan

Beitragvon Merkur » Montag 5. Juni 2017, 11:13

Da haben wir ein fast universelles "Insektensterben", was eine für jeden nachvollziehbare Tatsache ist. Erst gestern fiel es mir bei einer Runde um den Reinheimer Teich wieder auf: Fast keine Schmetterlinge, bei stellenweise reich blühenden Wiesen (NSG!). Kaum Käfer auf den Blüten. Sehr wenige Singvögel (2 oder 3 Nachtigallen, wo sie vor ein paar Jahren noch im Dutzend zu hören waren)!
Doch oft genug breiten sich gerade die eingeschleppten, invasiven Arten ungehindert aus (Bsp. Asiatischer Marienkäfer, Amerikanische Zapfenwanze). Es ist ein Widerspruch, für den es vermutlich keine allgemeine Erklärung gibt. Es wird im Einzelfall davon abhängen, wie weit die jeweiligen Arten mit den (wahrscheinlich) verantwortlichen neuartigen Pestiziden in Kontakt kommen. Auch weitere Faktoren können die eine oder andere Art ganz unterschiedlich treffen. Die Forschung kommt nicht nach!

MfG,
Merkur
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Re: Asiatische Hornisse (Vespa velutina) erreicht Deutschlan

Beitragvon Reber » Montag 13. November 2017, 21:10

Nun ist in Karlsruhe das wahrscheinlich erste richtig grosse, noch belebte Nest von Vespa velutina entdeckt worden. Frei angelegt, hoch oben in der Krone eines Trompetenbaumes. Das das Nest zum jetziges Zeitpunkt entdeckt wurde, ist sicher kein Zufall. Im belaubten Baum war es sicher gut versteckt.

Offenbar sind die Tiere vorher auch nicht störend bei Imkern - oder andwerweitig - aufgefallen.

https://www.hymenoptera.de/Vespa_veluti ... sruhe_2017

https://www.aktion-wespenschutz.de/Bild ... tdeckt.htm
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