Solitäre Wespen

Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Montag 5. Januar 2015, 17:51

Ancistrocerus sp.JPG
Ancistrocerus sp.

Leider ist mir kein gutes Foto gelungen, bevor die Wespe wieder abflog. In unseren Breiten kommen 12 Arten vor. Sie gehören zu den Solitären Faltenwespen (Eumeninae). Die Tiere der Gattung bauen ihre ihre Nester in Stängeln, Mauerritzen und in verlassenen Bohrgängen von anderen Insekten. Nur Ancistrocerus oviventris baut selbständig Mörtelnester. Ihre Brut ernähren sie meist mit den Raupen von Kleinschmetterlingen vereinzelt auch mit Käferlarven.
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Re: Ancistrocerus sp.

Beitragvon Boro » Montag 5. Januar 2015, 22:08

Ich hoffe du bist nicht ungehalten, dass ich mich gleich mit ein paar Fotos von solitären Wespen (außer Polistes) anhänge. Komisch, niemand hat einen riesigen Fenchel im Garten, ein richtiger Blickfang, noch dazu duftend und 2,5 m hoch werdend; übrigens jedes Jahr wieder austreibend! Diese blühende Pflanze zieht unzählige Insekten, vor allem solitäre Wespen und Bienen an. Oft sind es 1 bis 2 Dutzend verschiedene Arten gleichzeitig!
Hier nur eine kleine Auswahl, die ich jetzt nicht bestimmen (kann) möchte. Ich vermute du kannst das besser:
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DSC00108.JPG
Jedenfalls eine Blattwespe
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Eine Grabwespe?
DSC09918.JPG
Unbekannt
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Unbekannt
DSC09941.JPG
DSC09948.JPG
Eine stylopisierte Polistes, vermutlich dominula
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Eine Goldwespe
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Re: Ancistrocerus sp.

Beitragvon Reber » Dienstag 6. Januar 2015, 01:46

Hallo Boro!
Ganz und garnicht - vielen Dank für die Bilder! Ich habe den Titel geändert, so können hier Bilder und Infos zu Solitär-Wespen gesammelt werden.

Ich habe inzwischen versucht mich nützlich zu machen und Zwecks Bestimmung noch etwas in meinen Büchern und im Netz gestöbert:

Beim 1. Bild dürfte es sich um eine Bürstenhornblattwespen (Arge sp.) handeln. Wegen der Schwarzen Band auf den Flügeln und dem orange durchschimmernden Hinterleib könnte es sich um Arge cf. cyanocrocea handeln. http://en.wikipedia.org/wiki/Arge_cyanocrocea

Bei Bild 2 dachte ich zuerst auch an eine Grabwespe und vermutete Trypoxylon sp. Allerdings irritierten mich die roten Streifen/Flecken auf der Gaster. Deshalb könnte es sich um eine Gichtwespe (Gasteruption sp.) handeln: http://www.insektenbox.de/hautfl/gastas.htm

Bei Bild 3 war ich länger ratlos! Bis ich auf die Mandibeln geachtet habe. Ein männlicher Bienenwolf? Eher doch nicht, ich denke es handelt sich um die Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris cf. rybyensis)? http://de.wikipedia.org/wiki/Bienenjagende_Knotenwespe

Bild 4., würde ich meinen es könnte sich, wegen den unauffälligen gelben Zeichnungen um eine Maskenbiene Hylaeus sp. handeln, die ja als „Urbiene“ stark an Grabwespen erinnert. Oder eben doch eine kleine Grab- oder Rollwespe? http://www.bwars.com/index.php?q=catego ... hyalinatus

Bild 5. [Die müsste doch einfach zu bestimmen sein. Schwarze Wespe mit schwarzen Flügeln! Aber keine Ahnung!] Inzwischen bekannt: Isodontia mexicana

PS: Riesenfenchel! Leider hab ich keinen Garten, aber meine Eltern werden wohl bald einen geschenkt bekommen ;)
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Boro » Dienstag 6. Januar 2015, 09:38

Ein eigener Thread f. solitäre Wespen ist eine gute Idee. Danke für die Mühe um die Bestimmungen, ich ändere diesbezüglich aber vorerst nichts, außer es gibt eine ganz eindeutige Zuordnung. Bei den solitären Wespen (und Bienen) gibt es ja eine Unzahl, da ist die Bestimmung sehr oft schwierig. In meinem Fundus ruhen sicher noch etliche Bilder, ich muss sie nur suchen.....
Jetzt nur ein kleiner Beitrag:
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IMG_5151.JPG
Unbekannte solitäre Wespe
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Mittwoch 7. Januar 2015, 00:34

Ja, lass den Beitrag ruhig unverändert, ich bin nicht in der Lage die Wespen ab Foto zweifelsfrei zu bestimmen, deshalb auch die vorsichtigen Formulierungen. Im Feld bzw. ab Foto ist das ja bei vielen Arten selbst für Profis kaum möglich. Aber vielleicht meldet sich ja noch der Eine oder Andere zu Wort, der sich der Sache sicher ist.

Freue mich jedenfalls schon auf weitere Bilder.

Die Wespe auf dem letzten Bild erinnert mich übrigens an die Ameisen-Grabwespe (!) Tracheloides cf. varus. Im Buch "Wespen" von Rolf Witt steht dazu, dass diese Art in Österreich vorkommt und "soweit bekannt nur Ameisen der Art Liometopum microcephalum jagt".
Ihre südwestlich vorkommende "Schwester" Tracheliodes quinquenotatus soll Tapinoma sp. jagen.
Auf folgendem Blog gibt es interessante Bilder und Videos dazu. Des Spanischen bin ich aber leider nicht mächtig: http://historiasdehormigas.blogspot.ch/ ... iento.html
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Boro » Mittwoch 7. Januar 2015, 17:40

Du könntest mit deiner Vermutung richtig liegen, leider wird eine Artbestimmung mit dem Foto nicht möglich sein. Wusste gar nicht, dass Ameisen in das Beuteschema von Wespen fallen, wenn man von den kleinen Sozialparasiten absieht. Im Internet findet man wenig bis nichts, daher um so interessanter! Offensichtlich gibt es auf diesem Sektor kaum Untersuchungen, aber gerade für die Myrmekologie wäre das wichtig. Nun, viell. wagt sich noch ein Experte zumindest an die Bestimmung der Gattung!

Habe jetzt noch einmal das letzte Bild betrachtet: Abgesehen von der wunderschönen Blüte, die euch in der tristen Zeit erfreuen möge, habe ich in der Blüte unten mindestens 2 winzige Tierchen entdeckt, eines schaut keck heraus.....keine Ahnung was das sein soll!
...und da man sich nicht mit fremden Federn schmücken soll: Die besten Bilder (wie auch dieses) sind immer von Sohn Roman!
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Wald 6.JPG
IMG_4716.JPG
IMG_4747.JPG
Sept. 17..JPG
IMG_1312.JPG
IMG_1374.JPG a.JPG
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Merkur » Mittwoch 7. Januar 2015, 18:12

Hallo Boro,
Habe jetzt noch einmal das letzte Bild betrachtet: Abgesehen von der wunderschönen Blüte, die euch in der tristen Zeit erfreuen möge, habe ich in der Blüte unten mindestens 2 winzige Tierchen entdeckt, eines schaut keck heraus.....keine Ahnung was das sein soll!
Die Tierchen halte ich für ganz junge Wanzenlarven: Beim einen erkennt man einen Rüssel, und die Fühler haben wenige Glieder - es könnten 5 sein wie bei den Pentatomidae. :)

MfG,
Merkur
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Boro » Donnerstag 8. Januar 2015, 11:05

Dank an Merkur für die Einschätzung! Eigenartig: Das Bild ist sicher 2 Jahre alt und wurde (wenn ich mich nicht täusche) schon damals im alten AF gepostet. Die kleinen Köpfchen sind mir erst bei der letzten Betrachtung aufgefallen.
L.G.
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Boro » Donnerstag 8. Januar 2015, 11:11

Im 4. Beitrag dieser Seite finden wir Latibulus argiolus: viewtopic.php?f=30&t=717
L.G.
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Boro » Donnerstag 8. Januar 2015, 15:19

Es gibt auch solitäre Wespen, die Imagines der Ameisen parasitieren. Vor vielen Jahren hatte ich Bilder im alten AF, die jetzt auch gut hierher passen. Die Qualität der Fotos ist aber bescheiden, damals hatte ich noch eine Bridge-Kamera.
Bei den Parasiten dürfte es sich um Brackwespen handeln (http://de.wikipedia.org/wiki/Brackwespen ).
L.G.
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DSC04066.JPG
Wer sieht den Feind?
DSC04062.JPG
Die Opfer sind Formica rufibarbis
DSC04060a.jpg
Im Bereich der Intersegmentalhaut wird das Ei abgelegt!
Amaz vs. F. rufi (9).JPG
Kampf zw. Polyergus und den Verteidigern (wieder F. rufibarbis). Die Not der ineinander verbissenen Individuen macht sich eine Wespe zu Nutzen!
Amaz vs. F. rufi (3).JPG
Gleich 2 Angreifer gleichzeitig!
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Montag 14. September 2015, 22:04

Ebenfalls ein fleissigerEfeu-Besucher ist im Herbst Mellinus arvensis - der Grabwespe geht es allerdings nicht in erster Linie um die Blüten, sondern um die Blütenbesucher. Sie jagt dort geschickt diverse Fliegen für ihre Larven (und verköstigt sich dazwischen auch mit Fliegen, besucht aber auch Blüten oder nimmt Honigtau zu sich). Dabei greift sie ihre Beute nicht im Flug an. Die schnelle Wespe schleicht sich langsam zu Fuss an ihre Opfer heran und "springt" dann plötzlich aus wenigen cm Entfernung auf sie um sie mit einem Stich zu lähmen.

Die Nester von Mellinus arvensis befinden sich oft zahlreich in sandigem Grund und reichen in Regel 30 - 45 cm tief in den Boden.

Warum das Tier den wenig ansprechenden Trivialnamen "Kotwespe" trägt, entzieht sich meiner Kenntnis.

EDIT: Offenbar kommt der Name daher, dass die Art an Kot von Säugern auf Beutefang geht.

Mellinus cf. arvensis 1.JPG
Mellinus cf. arvensis 2.JPG
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Zuletzt geändert von Reber am Donnerstag 4. August 2016, 15:02, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Nachtrag Kotwespe
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Mittwoch 3. August 2016, 21:01

Bembix rostrata die "Geschnäbelte Kreiselwespe"

Hat ihren Trivialnamen weil sie sich um die eigene Achse drehen kann, und dabei mit den Flügeln ein surrendes Geräusch macht, dass an einen Kreisel erinnert. Frontal scheint ihr Kopf schnabelförmig verlängert. Die Grabwespe ist auffällig gross (15 bis 25 mm), gelb-schwarz gestreift und hat grüne Augen.

Die Wespen graben ihre Röhren in offenes, sandiges Gelände. Oft entsehen auf geeigneten Flächen regelrechte Kolonien. Jede Wespe versorgt aber nur ihre Brut, pro Nestgang gibt es nur eine Zelle. Die Larve wird regelmässig mit neuen Fliegen versorgt, diese werden der Larvengrösse angepasst. Zwischen der verproviantierung wird der Nesteingang zugescharrt. Es bleiben manchmal kleine Mulden zuruck, wie man sie von Ameisenlöwen kennt.
Die erwachsene Wespe versorgt sich aber hauptsächlich mit Nektar, saugt aber ergänzend auch Schwebefliegen aus.
Bembix1.JPG
Bembix cf. rostrata
Bembix2.JPG
Bembix cf. rostrata
Bembix3.JPG
Bembix cf. rostrata
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Freitag 5. August 2016, 03:11

Dolchwespen (Scoliidae)

In unseren Breiten sind im wesentlichen nur zwei Dolchwespen-Arten vertreten (Scolia hirta und Scolia sexmaculata), beide sind (sehr) selten.

Die etwas grössere Scolia hirta wird 16 - 22 mm lang und trägt die gelben, breiteren Binden am zweiten und dritten Hinterleibssegment (es gibt Abweichungen). Ausserdem hat sie schwarzbraune, gleichmässig gezeichnete Flügel. Die Flügel von Scolia sexmaculata sind im vorderen Bereich ganz braun.

Die Lebensweise der beiden Arten ähnelt sich. Als Larvennahrung dienen Engerlinge von Blatthorn- und Rosenkäfern. Dank ihrem ausgezeichneten Geruchssinn, entdecken die Wespen die Käferlarven im Boden und erreichen sie bis zu einer Tiefe von 40cm.

Die adulten Wespen besuchen mit vorliebe blaue oder violette Blüten. Dolchwespen können Menschen offenbar schmerzhaft stechen.
Scolia_hirta_cf_2.JPG
Scolia cf. hirta
Scolia_hirta_cf_1.JPG
Scolia cf. hirta
Scolia_hirta_cf.JPG
Scolia cf. hirta
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Montag 8. August 2016, 13:35

Ammophila sabulosa, die Gemeine Sandwespe

ist an geeigneten Orten überall in Mitteleuropa häufig anzutreffen. Sie benötigt sandige, schwach bewachsenen Flächen. Allerdings tritt sie nicht in grosser populationsdichte auf. Die Sandwespen gehören zu den Grabwespen, in Mitteleuropa kommen sechs Arten vor.

Die Weibchen werden bis zu 24 mm lang und damit die grössten Sandwespen Europas. Auffällig ist die lange, stielförmige Wespentaille und die rot/schwarze Färbung ger Gaster.

Als Larvennahrung dienen 2-3 grössere Raupen, bevorzugt von Eulenfaltern. Diese werden immer über den Boden transportiert, nie im Flug. Die Wespenart betreibt danach keine weitere Brutpflege. Der Nesteingang wird mit einem Steichen verschlossen und danach mit Sand überdeckt.

Die adulten Wespen besuchen Blüten, fressen aber auch Honigtau von Blattläusen.
Sandwespe1.JPG
Ammophila cf. sabulosa beim Verschliessen des Nesteinganges
Sandwespe2.JPG
Sandwespe4.JPG
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Merkur » Montag 8. August 2016, 17:49

Die Sandwespe Ammophila: Ein Hymenopter mit Köpfchen

https://www.ameisenforum.de/die-sandwes ... 22529.html
Unter diesem Titel habe ich am 6. August 2004 einen Bericht im Ameisenforum gepostet.
Die beiden Bilder dazu sind „verschwunden“, wie so viele in jenem Forum. :( Eines kann ich hier noch einfügen:

Ammophila.JPG
Sandwespe beim Graben

Der Beitrag von Reber hat mich wieder an diese Geschichte erinnert, und ich denke, sie wird manchem hier im AP noch unbekannt sein.

Der damalige Text:
Es gibt Insekten mit Manager-Qualitäten!
In Erinnerung gerufen wurde mir das kürzlich wieder einmal in meinem “Freiland-Formikarium”, gleich auf der Terrasse hinter dem von mir bewohnten Ytong.

Da stehen ein paar Töpfe und Kästen mit Kakteen, schlecht gepflegt, trotzdem “dankbar” blühend.
In einem der Kästen und drum herum ist eine Grabwespe der Gattung Ammophila zu Gange. Immer wieder kratzt sie kopfüber im Sand, dann folgt ein Rundflug von knapp 30 cm Durchmesser, schon ist sie wieder am Graben.
Mit ihren gewaltigen Mandibeln greift und trägt sie den Aushub weg und lässt ihn fallen. Sinn der Sache ist, dass beim Graben nicht wie bei vielen Ameisen ein auffälliger Krater oder Hügel entsteht, der Fressfeinde anlocken könnte. Schlau, wie? ;)
Aber die Sandwespen können noch viel mehr.

In den Bau trägt sie eine durch Stich gelähmte Raupe und legt ein Ei daran. Danach verschließt sie die Röhre mit einem passenden Steinchen und scharrt sie zu. Zum Schluss werden noch Blättchen u.a. Material aus der Umgebung ganz “zufällig” über dem Eingang verteilt; volle Tarnung.

Aber die junge Larve braucht Futter, die erste Raupe ist bald aufgezehrt. Also muss Mama gelegentlich das Ganze aufgraben, nach dem Rechten sehen, zugraben, eine neue Raupe beschaffen, aufgraben, Raupe eintragen, zugraben, zustampfen, tarnen. Schon ganz schön viel, was nacheinander in exakter Folge zu tun ist. Dazu muss sie noch entscheiden, ob die junge Larve nur eine kleine Raupe, oder später eine größere braucht. Und ganz zum Schluss bringt sie ein paar Raupen zugleich, die als Nahrungsvorrat bis zur Verpuppung der Wespenlarve reichen. Dabei wird der Nesteingang dann endgültig verschlossen, indem die Wespe das Material mit einem Steinchen, das sie in den Mandibeln hält, unter heftigen, senkrecht geführten Stößen des ganzen Körpers feststampft. Werkzeuggebrauch!.

Noch immer ist es nicht genug: Die Sandwespe legt nämlich sogar nacheinander mehrere Niströhren an, jede mit einem einzelnen Ei, und jede mit der Verpflichtung, regelmäßig nachzusehen, nachzufüttern, usw.. Morgens werden alle Niströhren inspiziert, und die Wespe merkt sich dann, in welche sie während des Tages eine kleine, eine größere, oder eine ganze Gruppe von Raupen bringen muss.
Das erfordert schon fast einen Terminkalender. Mancher Normalbürger unserer eigenen Art wäre damit komplett überfordert. Und doch hat das ganze komplizierte Verhalten Platz in dem kleinen Köpfchen!
Schließlich muss man sich auch die exakte Lage der einzelnen Brutröhren merken.
Die Wespe lernt dazu die Lagebeziehungen bestimmter, größerer Objekte in deren Umgebung. Ammophila campestris oder A. pubescens sind Paradebeispiele für die Verhaltenslehre. In Größe und Färbung sind sie vergleichbar mit einer Myrmecia-Königin. Aber im Verhalten fällt diese doch ganz gewaltig ab gegenüber einer solchen Sandwespe!
Das alles ist in einschlägigen Lehrbüchern natürlich nachzulesen. Aber es “in echt” auf der eigenen Terrasse zu verfolgen, ist dann doch noch mal was anderes! :)
MfG,
Merkur

PS: Hier ist noch ein Bildbericht aus 2009, von „Rolande“, der eine Sandwespe beim Eintragen einer Raupe zeigt: https://www.antstore.net/forum/gemeine- ... 12247.html

Nachtrag: Wikipedia bringt einige Unterschiede zwischen den drei in D heimischen Sandwespen-Arten Ammophila campestris, A. pubescens und A. sabulosa, vgl. den Folgebeitrag von Reber (Danke!).
In 2004, als ich den Beitrag über „meine“ Sandwespen im Kakteenkasten schrieb, habe ich nicht zwischen diesen differenziert. Wenn ich mich recht erinnere, enthielt Wikipedia damals nichts Ausführliches über diese Arten: Ihre „Versionsgeschichten“ beginnen 2008 bzw. 2009.
H. Bellmann erschien 1995. Ich besitze die Auflage von 2005, die nur A. sabulosa enthält. Ansonsten habe ich aus der Erinnerung Einzelheiten aus Lehrbüchern der Entomologie bzw. Ethologie ergänzt. Mein Bericht ist also nicht ganz aktuell; in den 12 Jahren seither hat sich einiges getan! – Aber der Zweck wurde erreicht: Die Leser neugierig machen und auf eigene Beobachtungsmöglichkeiten hinweisen! ;)
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Zuletzt geändert von Merkur am Dienstag 9. August 2016, 11:57, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Montag 8. August 2016, 21:53

Hallo Merkur, vielen Dank für die Interessante Rückblende! Ich selber habe auf meinem Balkon einige wenig oder nicht bepflanzet "Blumenkisten" mit Sand und Sand-Lehmfüllung extra zu dem Zweck aufgestellt, dass sich etwa Sandwespen, Ameisenlöwen etc. darin ansieldeln können. Leider bisher ohne Erfolg, aber da braucht es bekanntlich (viel) Geduld (und etwas Glück).

Aber die junge Larve braucht Futter, die erste Raupe ist bald aufgezehrt. Also muss Mama gelegentlich das Ganze aufgraben, nach dem Rechten sehen, zugraben, eine neue Raupe beschaffen, aufgraben, Raupe eintragen, zugraben, zustampfen, tarnen. Schon ganz schön viel, was nacheinander in exakter Folge zu tun ist. Dazu muss sie noch entscheiden, ob die junge Larve nur eine kleine Raupe, oder später eine größere braucht. Und ganz zum Schluss bringt sie ein paar Raupen zugleich, die als Nahrungsvorrat bis zur Verpuppung der Wespenlarve reichen. Dabei wird der Nesteingang dann endgültig verschlossen, indem die Wespe das Material mit einem Steinchen, das sie in den Mandibeln hält, unter heftigen, senkrecht geführten Stößen des ganzen Körpers feststampft. Werkzeuggebrauch!.


Ich habe noch etwas im den Wespenbüchern von Rolf Witt und in dem von Heiko Bellmann nachgelesen. Nun gehe ich nach deiner Beobachtung davon aus, dass es sich bei der von dir beschriebenen Wespe um Ammophila pubescens handelt. In Deutschland sollen nur 3 Ammophalia-Arten vorkommen. Neben der genannten Art gibt es noch A. sabulosa und A. campestris, letztere trägt aber Blattwespenlarven als Futter ein und sie verschliesst das Nest, in dem sie neben dem Nesteingang eine kleine Grube gräbt, die deutlich sichtbar bleibt. Ammophila sabulosa betreibt im Unterschied zu den anderen beiden Arten keine Brutpflege, nachdem sie mehrere grosse Raupen eingetragen hat, verschliesst sie das Nest und überlässt die Brut sich selbst. Ammophila pubescens wiederum schafft die Raupen, solange sie klein genung sind, fliegend herbei und öffnet das Nest immer wieder von neuem. Ausserden verstreut sie den Sand meist ebenfalls im Flug, während Ammophila sabulosa das in der Regel im Laufen tut.
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Freitag 19. August 2016, 15:14

Cerceris rybyensis, die Bienenjagende Knotenwespe

Wie ihr deutscher Name schliessen lässt, jagt die kleine Wespe (8-12 mm) Bienen um damit ihre Larven zu füttern. Allerdings keine Honigbienen, sondern Wildbienen unterschiedelicher Gattung (Sand-, Furchen- und Zottelbienen). Die Imago ernähren sich von Nektar und Pollen.

Die Wespen graben ihre Brut-Röhren gerne in offenes, sandiges Gelände, es werden aber auch festere Böden genutzt. Praktischerweise legen sie ihre Nester gerne neben "Kolonien" ihrer Beute an, das erleichtert den Jagderfolg.

Die Art ist recht häufig: Das Tier auf dem Foto verflog sich in unsere Stube. Nach einer kleinen Stärkung mit Honig, den es gerne annahm, wurde es wieder ins Freie entlassen.
Cerceris rybiensis cf.JPG
Cerceris cf. rybiensis
cerceris rybiensis cf 1.JPG
Cerceris cf. rybiensis
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Sapygina decemguttata

Beitragvon Reber » Freitag 26. Mai 2017, 19:39

Sapygina decemguttata , die Zehnpunkt-Keulenwespe

Ihren deutschen Namen hat die bis zu 9 mm lange, schwarze Keulenwespe wegen der zehn weissen Flecken, die sie seitlich an den Tergiten trägt. Diese sind allerdings kaum zu sehen, die Wespen nehmen Notiz wenn sich ein Mensch nähert und - im Unterschied etwa zu dem meisten Bienen, die sich nicht stören lassen – reissaus.

Sapygina decemguttata
ist eine parasitische Art. Die Gemeine Löcherbiene (Heriades truncorum) ist ihr einziger Wirt. Das Weibchen der Zehnpunkt-Keulenwespe wartet in unmittelbarer Nähe des Nistganges der Löcherbiene. Von Zeit zu Zeit nähert sie sich dem Nest und prüft kopfvoran ob die Wirtsbiene abwesend ist, bzw. ob genug Pollenvorrat vorhanden ist. Ist dies der Fall, legt die Keulenwespe mit ihrem Legestachel ein Ei mitten in den Pollenvorrat.

Nicht weniger zimperlich ist dann die Parasiten-Larve. Gleich nach dem Schlüpfen sucht diese die gesamte Wirtszelle nach allfälligen Artgenossen ab um diese mit den langen Mandibeln zu töten. Erst dann wird das Ei bzw. die Larve der Löcherbiene gefressen. Danach verpuppt sich die Larve um der Kreislauf beginnt im nächsten Jahr von vorne.

Die ausgewachsenen Wespen ernähren sich vom Nektar diverser Korbblütlern. In Süd- und Mitteleuropa sind die Tiere verbreitet und im Siedlungsraum oft an Nisthilfen anzutreffen.
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Zuletzt geändert von Reber am Freitag 27. April 2018, 18:54, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Bilder entfernt, da sie vermutlich Sapyga quinquepunctata zeigen...
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Re: Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius)

Beitragvon MBM » Dienstag 17. Juli 2018, 19:56

Direkt vor der Haustür in Meißen kann ich seit einigen Tagen Heuschreckensandwespen (Sphex funerarius) beim Brutgeschäft beobachten.
Diese wärmeliebende große Grabwespenart ist erst seit 2006 nach über 80 Jahren Abwesenheit in Sachsen wieder nachgewiesen.
Die Weibchen fangen hier fleißig Langfühlerschrecken und lähmen sie mit Stich in Ganglien des Nervensystem. Jede Zelle in der zuvor gegrabenen Brutröhre bekommt mehrere so "zubereitete" Heuschrecken und sowie ein Ei. Die Larven ernähren sich dann vor der Verpuppung mehrere Wochen vom lebenden Proviant.

IMG_0519 Langflügelige Schwertschrecke als Beute der Heuschreckensandwespe Ameisenportal.JPG
Heuschreckensandwespe mit gelähmter männlicher Langflügeliger Schwertschrecke für den Nachwuchs

IMG_0730 Ausschnitt Ameisenportal.JPG
eine gelähmte weibliche Beißschrecke wird nach Inspektion der Brutröhre blitzschnell hineingezogen

Zwischen den Wildplastersteinen des Weges sind bereits 23 schon verschlossene oder noch in Arbeit befindliche offene Brutröhren zu sehen.
Der Brutplatz an der Elbe ist hochwassergefährdet, aber bis die erste Generation im Spätsommer schlüpft besteht hoffentlich keine Gefahr!

Beste Grüße
MBM
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Re: Solitäre Wespen

Beitragvon Reber » Montag 23. Juli 2018, 22:28

Philanthus triangulum, der Bienenwolf

Auch in diesem Fall passt der deutsche Trivialname, der Bienenwolf ist zwar eine Grabwespe, aber eben der Bienen Wolf. Die Weibchen jagen fast ausschliesslich Honigbienen (Apis mellifera) um damit ihre Larven zu füttern. Der viel seltener und nur in mediterranen Gefielden anzutreffende "Südliche Bienenwolf" Philanthus coronatus dagegen soll nur Wildbienen (Sand-, Furchen- und Zottelbienen) fangen. Er ist leicht grösser als Philanthus triangulum und ist nicht so ausgedehnt gelb gezeichnet, die gelbe Tergitenzeichnung ist bei ihm oft mittig unterbrochen. Sein Propodeum ist unpunktiert und unbehaart.

Imker haben den Bienenwolf füher bekämpft. Die Zeiten sind zum Glück vorbei und die meisten haben erkannt, dass Bienenwölfe die Bienenpopulation kaum beinflussen. Leider gehen die Bienenwolf-Bestände wegen den verschwindenen Lebesräumen trotzdem zurück. Die Art braucht zum Graben ihrer Nistkammern warme und trockene Biotope die Steppen ähneln. Es werden aber auch z.B. in Pflasterfugen im geeigneten Siedlungsbereich Nester angelegt.

Der Bienenwolf legt mehrere äusserst interessante Gewohnheiten an den Tag. Anders als die Larven ernähren sich die erwachsene Bienenwölfe vom Nektar. Die Weibchen gewinnen diesen aber nicht nur von Blütenbesuchen, sondern können ihn auch aus den gefangenen Bienen pressen! Sie erbeuten manchmal Bienen alleine aus diesem Grund. Die Tiere erkennen ihre Beute optisch, aber auch am Geruch. Zur Partnerwahl verfügt die Art über ein Kommunikationssystem mit Pheromonen, das z.B. vor Inzucht schützt.
Aber damit nicht genug, der Bienenwolf kultiviert Bakterien in speziellen Drüsen der Antennen. Diese schmieren die Weibchen an die Decke ihrer Brutzellen. Die Bakterien bilden wiederum antibiotische Substanzen, die die Bienenwolflarven vor Infektionen schützen. Ausserdem "impregnieren" die Weibchen ihre Beute mit einem Sekret, das der Schimmelbildung vorbeugt.

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„Im Leben fängt man dann und wann
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Reber
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