Arten der cinerea-Gruppe

Arten der cinerea-Gruppe

Beitragvon Boro » Freitag 25. April 2014, 14:21

Die drei Arten der cinerea-Gruppe Formica cinerea, F. fuscocinera u. F. selysi gelten als "aschgrau" gefärbt (cinereus, -a, -um = aschgrau). So weit so gut. Je häufiger ich mich mit den "Mitgliedern" dieser Gruppe beschäftige, desto mehr festigt sich die Erkenntnis, dass insbesondere im Rosental (Südkärnten, v. der Drau durchflossen) häufig Populationen mit rötlichen Farbmerkmalen auftreten. SEIFERT schreibt auf S. 303 zu Formica fuscocinerea: [i]"Populationen mit rötlichgelbem Mesosoma, denen kein taxonomischer Status zukommt, in Mitteleuropa häufiger als bei cinerea; homogen rötliche, intermediäre (oft fleckig gefärbte) und vollständig dunkle Mesosomae können syntop auftreten."[/i]
Formica fuscocinerea ist ja im vorigen Jahr zu Unrecht ins Gerede gekommen (vor allem München), da sie in Sandkästen vorkäme, wo Kinder spielten. Sie sei invasiv.....viell. gefährlich etc.
Das haben wir damals im AF schon als Unfug demaskiert. Die Art ist ja in den Alpentälern u. den nördl. und südlichen Vorländern heimisch. Richtig, die Art gilt als aggressiv und territorial, aber das trifft z. B. auch für Lasius niger zu.
Im besagten Gebiet sind rötliche Exemplare häufig, teilweise gemischt mit grauen Individuen im selben Nest, teilweise auch als ganzes Volk mit diesen Merkmalen in Erscheinung tretend. Nun ein paar Bilder zur Illustration:

Die Beine und teilw. die Antennen sind bei allen Individuen braun-rot od. rotbraun gefärbt, aber 2 Bilder v. verschiedenen Nestern zeigen fast gänzlich rötlich gefärbte Tiere, nur Stirn u. Hinterkopf erscheinen noch dunkel. Es ist aber ein eigenartiges, mattes Rot, ganz anders als etwa bei F. rufibarbis. Immerhin weisen viele dieser Ameisen mehr Rotanteile in der Färbung auf als F. cunicularia. Fotos: Roman Borovsky
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Re: Arten der cinerea-Gruppe

Beitragvon Boro » Montag 29. September 2014, 20:38

Formica cinerea ist in Kärnten nicht häufig. Formica fuscocinerea ist mit Abstand die häufigste Art der cinerea-Gruppe. In meinem Untersuchungsgebiet ist dies ebenso, F. cinerea konnte ich nur an Hand von 3 Nestern in einem offenen Bereich des Schneeheide-Rotföhrenwaldes finden. Die sonst üblichen Habitate (Terrassen v. Wildflüssen, Augebiete) sind durch F. fuscocinerea in dichten Beständen besetzt. Ich vermute, dass F. cinerea deshalb eine Nische außerhalb der v. F. fuscocinerea besetzten Territorien suchen musste um dem Konkurrenzdruck auszuweichen. Die Art wurde von einem führenden Experten aus D bestimmt. Obwohl im SEIFERT zu lesen ist, dass neben F. fuscocinerea auch F. cinerea mitunter Populationen mit rötlichem Mesosoma aufweisen, ist an den Bildern zu erkennen, dass jegliche rötliche Pigmentierung fehlt, sogar die sonst eher rotbraunen Beine von Arbeiterinnen der cinerea-Gruppen sind in unserem Fall dunkel. Die Bilder sind nur über eine Woche alt, es gab nur mehr wenig Brut und die bestand (wie auch in einigen anderen Fällen) ausschließlich aus Nacktpuppen (!)
Es handelt sich um ein Unter-Steinnest, unmittelbar nach dem Abheben des Steins wurden die Fotos der flinken Tiere gemacht..

Über F. fuscocinerea gibt es hier weitere Auskünfte: viewtopic.php?f=48&t=488
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Einige Arbeiterinnen sind von Milben befallen, ich kann 3 Stück erkennen! Es sind 2 Königinnen zu sehen
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Königin mit Arbeiterinnen
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Arbeiterinnen v. F. cinerea; gut sind die großen Augen zu sehen!
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Eine Arbeiterin mit einer Nacktpuppe
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Re: Arten der cinerea-Gruppe

Beitragvon Trailandstreet » Mittwoch 1. Oktober 2014, 08:15

Ich muss schon sagen, die Ähnlichkeit ist schon sehr hoch untereinander. Also Formica cinerea, fuscocinera oder auch wie hierFormica cunicularia, aus meinem Bestimmungsthread.
Ein Anfänger oder gar Laie tut sich da schon sehr schwer. Da findet man Unterschiede eher nur auf dem zweiten Blick. Einzelne Farbschattierungen, Pubescenz etc.
Ich bin da schon froh, wenn ich aufgrund der Höhenlage oder der Habitatswahl eine oder ein paar ausschließen kann.
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Re: Arten der cinerea-Gruppe

Beitragvon Boro » Mittwoch 1. Oktober 2014, 13:31

Ja, leichter geht es nur, wenn man alle in Frage kommenden Arten sehr oft gesehen u. beobachtet hat. Die drei cinerea-Arten unterscheiden sich vorwiegend über Behaarungsmerkmale und kleine oberflächliche Strukturen auf der Cuticula. Mit freiem Auge wird die kaum jemand unterscheiden können.
Die cinerea-Arten unterscheiden sich von anderen Serviformica spp. entscheidend durch den Lebensraum: Da kommen fast nur die Augebiete v. fließenden u. stehenden Gewässern mit den seitlichen Terrassenkörpern in Frage, in Österreich ist meines Wissens nur F. fuscocinerea in den Ersatzlebensräumen versiegelter urbaner Bereiche (stark) vertreten. In Südtirol wird auch F. cinerea vonTrockenrasen, Wegrändern und Ortsbereichen gemeldet (F. GLASER, Die Ameisenfauna des Vinschgau - Gredleriana, Vol.3). Allerdings weist auch der genannte Autor daraufhin, dass es zu Hybridisierungen kommen dürfte, wenn die Arten syntop vorkommen. In meinem Untersuchungsgebiet kommen alle 3 cinerea-Arten vor, somit kann auch hier eine Hybridisierung nicht ausgeschlossen werden. Wäre das der Fall, ist die Bestimmung eine Angelegenheit für Top-Experten!
Wegen jahrelanger Befassung mit den Serviformica-Arten gelingt mir inzwischen eine Unterscheidung etwa v. F. cunicularia u. F. rufibarbis leicht, wenn man eine größere Anzahl von Beobachtungsobjekten zur Verfügung hat. Schwieriger ist es mit den schwarzen Arten, F. fusca kann man nicht ohne weiteres v. F. lemani unterscheiden. Mit der schönen F. gagates gelingt die Unterscheidung wieder sofort.
L.G.
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