Camponotus lateralis

Camponotus lateralis

Beitragvon Boro » Dienstag 13. Mai 2014, 19:05

Camponotus lateralis ist eine mediterrane Art, deren Fundmeldungen in Mitteleuropa vorwiegend auf einer Verwechslung mit C. piceus beruhen. Funde in Südtirol und im Tessin sind bekannt. Inwieweit einzelne Funde auf Einwehungen alater u. begatteter Gynen und eine möglicherweise vorübergehende Nestgründung in Steiermark, Kärnten, Tirol zurückgehen, kann nicht gesagt werden. Nach mehrjähriger Beschäftigung mit dieser Art, habe ich seit 2008 ein Nest in "Freilandhaltung" um diese schöne und interessante Art zu studieren. Zum Vergleich dient ein Nest der heimischen C. piceus, mit der C. lateralis auch etwa in Istrien syntop lebt.
Erste Ergebnisse im Telegrammstil:
1. In der Frosttoleranz hat sich C. lateralis als stabil erwiesen
2. Die lange Winterruhe mit etwa 5 Monaten hatte keine negativen Auswirkungen; Beginn und Ende der Winterruhe sind mit C. piceus vergleichbar.
3. Der Kontakt mit anderen Ameisenarten war bisher problemlos, direkte Kontakte mit Formica fusca, F. cunicularia, Tapinoma subboreale, Myrmica cf. sabuleti, Dolichoderus quadripunctatus, Temnothroax sordidulus, T. unifasciatus, T. crassispinus blieben unauffällig. Lasius emargiatus u. L. niger werden strikt gemieden, diese beiden Arten sind für alle benachbarten Konkurrenten gefährlich, bisher gab es aber keinen der möglichen Überfälle. Aggressives Konkurrenzverhalten besteht zw. C. piceus und C. lateralis. Interessant: C. lateralis-Arbeiterinnen haben auf die vorübergehende Anwesenheit v. Camponotus fallax ebenfalls aggressiv reagiert.
4. Das Nest entwickelt sich bisher sehr gut, das beweist die jedes Jahre große Zahl weiblicher Geschlechtstiere.
5. Die Nahrung besteht vorwiegend aus dem Honigtau v. Läusen auf der nahen Mannaesche (Fraxinus ornus). Die Verwertung tierischer Nahrung ist mit jener v. C. piceus ident.
6. die Bewegungsmuster gleichen weitgehend jenen v. C. piceus, die Bewegung auf fester Unterlage ist aber durchaus üblich.
7. Das Schwärmen findet zeitlich fast synchron mit C. piceus statt (um den 10. Mai am späten Vormittag).
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Fast frontale Ansicht einer Arbeiterin
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Seitliche (laterale) Ansicht der Arbeiterin
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Fütterungszeit
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Die Art schwärmt um den 10. Mai etwa zwischen 10:00 und 12:00 MSZ
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Die Gynen sind wunderschön gefärbt, es gibt aber auch fast ganz schwarze Exemplare
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Re: Camponotus lateralis

Beitragvon Boro » Sonntag 24. August 2014, 20:14

Für mich sind das einfach wunderschöne Tiere! 2 Fotos (2013 schon im alten AF gepostet) sind hier besser aufgehoben. Fotos v. Sohn Roman
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Re: Camponotus lateralis

Beitragvon Boro » Dienstag 16. Dezember 2014, 21:55

Ich denke, da hab ich noch ein ganz gutes Foto v. C. lateralis gefunden (bei der Fütterungsstelle): Von der Färbung her sind sie ausgesprochen schön!
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Re: Camponotus lateralis

Beitragvon Boro » Mittwoch 12. Oktober 2016, 15:50

Camponotus lateralis und C. piceus gelten als konfliktscheue und stets fluchtbereite kleine Arten der Gattung Camponotus. Wenn jedoch Arbeiterinnen der beiden verwandten Arten aufeinandertreffen, gibt es Krieg. Darüber habe ich schon einmal in "Ameisenschutz aktuell" berichtet: "Aggressives Verhalten von Camponotus piceus und Camponotus lateralis" (2009). Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den großen, volkreichen Arten kann man öfter beobachten. Ich selbst wurde vor Jahren Zeuge eines regelrechten Krieges zwischen zwei verschiedenen Nestern von C. herculeanus. Aber für die kleinen Arten gibt es bei SEIFERT nur eine Anmerkung bei Camponotus truncatus syn. Colobopsis truncata: "Nur aggressiv gegen eigene Fremdkolonien" (S. 270). Auch Colobopsis truncata gilt als sehr scheu und stets fluchtbereit.
Bei den kleinen Arten finden zwar keine "Kriegszüge" statt, aber kleine Trupps rücken nach der Alarmierung aus, um die Territorialgrenzen abzusichern. Dabei kommt es auch zu Kämpfen, die ein paar Opfer fordern können. Teamarbeit gibt es übrigens bei beiden Arten nicht, es gibt den Einzelkampf. Vor einer Woche hat Sohn Roman eine Lasius-Arbeiterin beobachtet, die eine Beute wegziehen wollte. Flugs der Beute beraubt, war eine tote lateralis-Majorarbeiterin zu entdecken, an deren Bein noch der Kopf ihrer Kontrahentin, einer piceus-Majorarbeiterin, hing. Vermutlich hat die lateralis Arbeiterin ihre Gegnerin im Kampf getötet und blieb selbst verletzt zurück, als leichte Beute für Lasius.
Inter- bzw. intraspezifische Kämpfe der Camponotus Völker werden übrigens ganz vorwiegend von Majoren bestritten, die hier in die Rolle der "Krieger" schlüpfen [z. B. viewtopic.php?f=46&t=1102 ]. Bei C. piceus u. C. lateralis sind die Major-Arbeiterinnen nur 7 mm lang. Foto: Roman Borovsky
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Re: Camponotus lateralis

Beitragvon Boro » Dienstag 8. Mai 2018, 18:38

Das Schwärmen beginnt: Camponotus lateralis und Camponotus piceus schwärmen oft an den selben Tagen und zur annähernd gleichen Zeit. Für C. piceus gilt als Datum/Zeit des Schwarmbeginns der 10. Mai ± 12d (29. April, 22. Mai) um 10:00 ± 30 Min. (min. 09:30, max. 10:30) bei 20°C ± 1°C (min. 19°C, max. 21°C) . Diese Werte habe ich aus Beobachtungen der letzten 10 Jahre bei meinem Nest im Steingarten herausgefiltert (mitteleur. Normalzeit!). Für C. lateralis gelten fast die gleichen Werte. Deren Nest befindet sich in 2m Entfernung.
Bemerkenswert finde ich, dass ich das Schwärmen beider Arten zur etwa gleichen Zeit in Istrien beobachten konnte, immerhin haben wir dort ein ganz anderes Klima, der Vegetationsvorsprung beträgt mindestens 14 Tage. Dort fanden die Beobachtungen ein paar Dutzend Meter über dem Meer statt, in Klagenfurt sind es 450m.
Bei C. piceus gab es heute einige Aufregung, Majore schwärmten aus und 1 Männchen beobachtete ich beim Abflug. Bei C. lateralis erschienen mehrere Geschlechtstiere auf dem Nest, 1 Männchen und 1 Gyne flogen ab, dann haben ein paar aggressive Lasius emarginatus die Zeremonie beendet: Keine einzige lateralis-Arbeiterin wagt es trotz zahlenwäßiger Überlegenheit eine Lasius emarginatus od. L. niger anzugreifen, dabei lebt vor allem L. emarginatus durchaus syntop mit beiden Camponotus-Arten z. B. in Istrien.
Fotos: Roman Borovsky
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ein Major v. C. piceus patroulliert auf dem Grashalm und prüft die Lage
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lateralis-Gyne erscheint ober dem Nest; laterale Ansicht
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mehrere lateralis-Gynen scheinen Ausschau nach männlichen Begleitern zu halten
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Männchen und Weibchen bei einem Nesteingang
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Arbeiterin und Männchen
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Re: Camponotus lateralis

Beitragvon Reber » Mittwoch 9. Mai 2018, 16:24

Hallo Boro, das sind einmal mehr wunderbare Bilder von dir, bzw. deinem Sohn!

Mir ist aufgefallen, dass die Gynen am Kopf ja schwarz gezeichnet sind. Bisher kannte ich nur solche mit gänzlich rotem Kopf. Kommt das öfter vor oder deutet das auf eine lokale Variation hin? Oder gar auf eine Hybridisierung mit einer anderen Camponotus Art?

Lieber Gruss
Reber
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Re: Camponotus lateralis

Beitragvon Boro » Donnerstag 10. Mai 2018, 07:00

Hallo Reber!
Ich kann nur von meinen Beobachtungen reden: Während die Arbeiterinnen immer einen gänzlich rot gezeichneten Kopf aufweisen, zeigen alle Gynen eine schwarz-rote Kopffärbung. Diese Merkmale treffen nicht nur auf "meine" Kolonie zu, sondern beruhen auch auf Beobachtungen in Istrien.
Liebe Grüße
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