Odontomachus haematodus - Haltungsbericht

Unterfamilie: Ponerinae

Odontomachus haematodus - Haltungsbericht

Beitragvon Reber » Samstag 1. September 2018, 20:22

Ich beginne hier einen neuen Haltungsbericht zu Odontomachus haematodus.

Odontomachus haematodus.JPG
Odontomachus haematodus

Die Art gehört zu den kleineren Schnappkieferameisen aus der neuen Welt. In der Natur nisteten die Völklein gerne in den Wurzelballen und zwischen Trieben und Blättern benachbarter, epiphytischer Bromelien, aber auch in und unter morschen Baumstämmen und Ästen auf dem Boden und zwischen Laubstreu. Die Kolonien der Art legen gerne Zweignester an. Die Nester sollen im Unterschied zu denen anderer Ameisenarten eher behelfsmässig angelegt wirken.

Obwohl die Schnappkiefer-Ameise mit ihren Mandibeln blitzschnell zuschnappen kann, soll sich die Art hauptsächlich von Aas ernähren. Ihre Mandibeln benützen die Ameisen aber nicht nur zum Beute machen und zur Verteidigung, sondern auch zur Flucht! Mit ihnen könne sich die einzelnen Ameisen bis zu 40 cm wegkatapultiert.

Das Becken habe ich rudimentär Regenwaldähnlich eingerichtet: Auf einem 1,5 zentimeterdicken Kies-Sandgemisch lieget etwas Eichenlaub als Streuschicht, darauf ist eine Wurzel platziert und hinter einer auf Moos aufgesteckten Bromelie (Neoregelia sp.) liegt der Nesteingang, der über einen Schlauch zum Gipsnest führt. Im Formicarium wächst noch eine bei Feuchtigkeit beinahe unverwüstliche Efeutute (Epipremnum sp.). Das Becken wurde zudem mit zwei Arten von Springschwänzen (Collembola) geimpft.

Odontomachus haematodus Nesteingang.JPG
Nesteingang

Die Streuschicht hatte ich extra dünn gehalten, damit die Ameisen nicht gleich darin einziehen. Leider hat es zuerst nicht geholfen. Sie sind nach der Ankunft direkt unter die Wurzel gezogen und haben begonnen, mit kleinen Blattstückchen und Moosresten alle Lücken zuzubauen.

Zuerst hatte ich also absolut keinen Nesteinblick. Aber die leise Hoffnung, dass die Kolonie, wenn alles gut geht und sie wächst, zumindest ein Zweignest im Kunstnest anlegen wird, hat sich füher erfüllt als erwartet.

Dazu musste ich aber etwas nachhelfen. Ich habe die Pflanzen und das Moos nur noch direkt und wenig befeuchtet, was die Ameisen nach etwa zwei Wochen veranlasste, unter das feuchten Moos bei der Bromelie zu ziehen. Von da an wohnten sie unmittelbar vor dem Nesteingen und mittels Heizmatte war es ein Leichtes, sie zuerst in den Schlauch und dann ins Nest zu locken. Weil die Scheibe wegen der Beheizung beschlägt, ist die „Nesteinsicht“ zwar noch immer zu beanstanden - aber das wird schon noch.

Odontomachus haematodus Verbindungsschlauch.JPG
Arbeiterin mit Puppen im Verbindungsschlauch
Odontomachus haematodus Nestkammern.JPG
Die Einsicht ist schlecht, da die Scheiben im beheizten, feuchten Gipsnest beschlagen...
Odontomachus haematodus Gyne.JPG
Die Königin lässt sich dennoch knapp erkennen.

Die Tiere wirken auf mich sehr „unerschrocken“ und scheinen ein gutes Sehvermögen zu besitzen. Bereits am Ankunftstag hatten sie begonnen, kleine Heimchen (5mm) zu erbeuten. Zu Beginn legten die Ameisen das normale, von andren Ponerinen bekannte, Jagdverhalten an den Tag. Das lag aber wohl daran, dass ich eine (zu)grosse Menge kleine Heimchen in das Formicarium gegeben hatte.
Inzwischen konnte ich erstmals beobachten, wie die Ameisen sich gezielt und geduldig an ihre Beute anschleichen! Dabei bewegt sie sich kaum merklich in Richtung Opfer und halten immer wieder still, bis sie in der richtigen Position sind um zuzuschnappen...

Hier gehts zur Diskussion.
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Re: Odontomachus haematodus - Haltungsbericht

Beitragvon Reber » Samstag 8. September 2018, 18:11

Die Nesteinsicht ist zwar noch immer schlecht, dennoch hat sie mir schon erste Einblicke erlaubt, so dass ich hier einen ersten Eintrag zum Entwicklungsstand der Kolonie und einigen Verhaltenswisen machen kann:

Vieles am Verhalten der Schnappkiefer konnt mir von Ectomomyrmex astutus - ebenfalls eine Ponerine - bekannt vor. Die Eier sind gelb und pillenförmig, die Larven sind leicht stachelig. Die braunen Puppen sind im Vergelich zu anderen Ameisenpuppen allerdings eher dunkel. Vor dem Verpuppen, werden grosse Larven von den Arbeiterinnen mit Pflanzenresten zugedeckt. Ebenso decken sie Wassertropfen an der Scheibe ab.

Odontomachus haematodus Eier.JPG
Odontomachus haematodus Larve.JPG
Odontomachus haematodus Puppen.JPG

min. 2 Ei-Pakete
min. 5 grosse Larven
ca. 10 Puppen
ca. 20 Arbeiterinnen
1 Gyne
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Re: Odontomachus haematodus - Haltungsbericht

Beitragvon Reber » Donnerstag 20. September 2018, 21:52

Die Ameisen entwickeln sich gut. Sie haben damit angefangen, den Boden aller Nestkammern mit Pflanzen-Teilchen zu bedecken. Vermutlich einfach um die "reifen" Larven damit abzudecken. Ich füttere weiterhin hauptsächlich lebende Mikro-Heimchen, welche die Schnappkiefer-Arbeiterinnen problemlos überwältigen können.

Pflanzenteile in Nest.JPG
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Re: Odontomachus haematodus - Haltungsbericht

Beitragvon Reber » Mittwoch 14. November 2018, 01:09

Die dünne Kunststoffscheibe des Nestes hat sich - vermutlich wegen der Feuchtigkeit, leicht verfärbt und verbogen. Ich musste also das Nest austauschen. Bei dieser umzugsfreudigen Art stellte mich das aber vor keine grosse Herausforderung. Ich entfernte einfach die Heizmatte und hörte auf das Nest zu befeuchten: Nach wenigen Tagen war die Kolonie komplett unter eine Wurzel im Formicarium gezogen und ich konnte das neue Gipsnest anschliessen. Die Ameisen zogen noch am gleichen Tag ins neue, beheizte Nest. Sie haben zwar sofort wieder begonnen, überall wo Kondenswasser vorhanden war, die Scheiben mit Moos und kleinen Partikeln zu verkleben. Die Nesteinsicht ist nun aber besser und auf jeden Fall gut genug um eine Zählung vorzunehmen, diese ergibt:

1 Eipaket mit ca. 20 Eiern
12 Larven
6 Puppen
mindestens 22 Arbeiterinnen
1 Gyne

Odontomachus haematodus Kolonie.JPG

Odontomachus haematodus Kolonie2.JPG
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Re: Odontomachus haematodus - Haltungsbericht

Beitragvon Reber » Samstag 1. Dezember 2018, 17:19

Hier eine kurze Zusammenfassung meiner Beobachtungen der letzten Wochen:

Die Art ist sehr aktiv, es sind auch bei der kleinen Kolonie ständig 5-10 Ameisen in der Arena zu bebachten. Die Arbeiterinnen klettern gerne an Pflanzen hoch. An sauberem Glas, Plexiglas oder den Blattunterseiten der Efeutute finden sie jedoch keinen Halt. Zwischen den Arbeiterinnen gibt es auffällige Grössenunterschiede.
Klettern.JPG

Wachstum: Die Kolonie entwickelt sich für eine Urameisenart erstaunlich schnell:

min. 1 Eipaket
min. 10 Larven
6 Puppen
min. 30 Arbeiterinnen
1 Gyne

Im Nest: Die Ameisen decken - wie fast alle anderen Arten auch - kleine Ritzen und Spalten zu. Allerdings tun sie das nicht mehrheitlich mit Sand oder Kies, sondern praktisch ausschliesslich mit Pflanzenmaterial (kleine Teile von Moosen, Flechten, Blättern und Holzstückchen). Mit dem selben Material decken sie auch ihre Larven kurz vor dem Verpuppen ein und Wassertropfen ab. Ausserdem füllen sie damit Gänge im Nest, die sie scheinbar nicht benötigen.
Sie brauchen es im Nest nicht so feucht, wie ich anfangs dachte, es reicht alle drei Tage das Nest zu befeuchten (wie z.B. bei Myrmica rubra). Wird es aber zu trocken, ziehen sie aus.
Zubauen.JPG

Nahrung: Meine Kolonie scheint sich ausschliesslich von Insekten zu ernähren und davon brauchen sie reichlich. Am Honigwasser sind sie nicht zu sehen. Darin werden höchstens tote Arbeiterinnen entsorgt. Die eingeimpften Springschwänze, die sich in den Formicarien anderer Arten prächtig vermehren, haben sie komplett dezimiert. Miniheimchen werden gerne und geschickt erjagt, auch überbrühte Insekten tragen sie ein.
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