Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Hier können Fragen rund um das Thema Ameisenhaltung gestellt werden.

Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Reber » Sonntag 22. März 2015, 18:00

Bevorzugen Ameisen dunkle Nester?

Im Rahmen eines PN-Austausches über die Lichtempfindlichkeit von Ameisen haben Colophonius (aus dem Eusozial) und ich gemeinsam ins Auge gefasst, eine kleine Versuchsreihe zur Nestwahl von einzelnen Ameisen-Arten durchzuführen und ihr Verhalten auf Lichteinfall zu untersuchen. Wir würden uns freuen, wenn sich weitere User entschliessen, dieses kleine Experiment ebenfalls durchführen und hier über die Ergebnis berichten. Falls ihr Kritik oder Verbesserungsvorschläge den Versuchsaufbau betreffend habt, dürft ihr euch ebenfalls gerne melden.

Der Versuchsaufbau
ist denkbar einfach. Die angebotenen Nester müssen identisch sein, was Beschaffenheit, Grösse, Zugang etc. betrifft. Ebenso müssen die gleichen äusseren und inneren Bedingungen vorherrschen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit etc.).

Der einzige Unterschied: Eins der Nester wird abgedunkelt, während das andere dem Licht ausgesetzt wird. Es reicht normales Zimmerlicht. Falls Nester zusätzlich direkt beleuchtet werden, muss selbstverständlich das Leuchtmittel so gewählt werden, dass es die Nester nicht erwärmt (z.B. Led oder FL mit genügend Abstand).

Die Nester
Für unseren Versuch verwenden wir je nach Ameisenart zwei Nestmodelle: Objektträgernest und Reagenzglasnest mit verkleinertem Eingang und Wassertank.

Die Ameisen

Wir haben uns überlegt die Untersuchung mit vollständigen Kolonien durchzuführen und nicht nur mit einige Arbeiterinnen der entsprechenden Art.
Verwenden wollen wir Temnothorax spp. - am besten T. nylanderi und T. crassispinus - und Myrmica spp. Am besten Myrmica rubra.
Diese Arten sind weit verbreitet und kommen relativ häufig vor, man kann sie sich also im Freiland besorgen.
Temnothorax sp. findet man an Waldrändern und in Parks unter Bäumen die geeignete Nistmöglichkeiten bieten, also z.B. unter Eichen. Mit einer bewohnten Eichel kann man oft schon das ganze Völklein einsammeln. Wer die Nester im Frühling bei eher schlechtem Wetter einsammelt, kann so vermeiden dass viele Ameisen im Aussendienst „verloren gehen“.
Wir empfehlen nur eine Kolonie am gleichen Ort einzusammeln, damit man nicht gleich eine „Temnothorax“-Wüste hinterlässt.
Myrmica rubra findet man auf eher feuchteren und halbschattigen Wiesen, sowie an Hecken und Waldrändern aber auch in Gärten. Meist unter Steinen oder Totholz. An warmen Frühlingstagen befinden sich die Arbeiterinnen samt Brut und Königinnen direkt unter den Steinen/Hölzern. Man braucht also nicht zu graben. Mit einem Exhaustor kann man bei grösseren, polygynen Völkern eine Königin mit etwa 50 Arbeiterinnen und etwas Brut einsammeln - ohne gleich das ganze restliche Volk vor Ort dem Untergang zu weihen. Der Frühling scheint Zeitpunkt uns als Zeitpunkt zusätzlich geeignet, weil die Königinnen direkt nach der Winterruhe vermutlich noch nicht auf „Hochtouren“ Eier legen.

Die Versuche
1. Für den Versuch werden die Nester in eine neutrale Arena gegeben, in der die Ameisenkolonien dann ausgebracht werden. Wir beobachten welches Nest sie wählen.
Damit nicht der berühmte Linksdrall der Ameisen die Ergebnisse verfälscht, sollen bei einer Testgruppe die Nester umgekehrt liegen. Bzw. der Versuch mit unplatzierten Nestern wiederholt werden.

2. Nach dem längeren Bezug eines (abgedunkelten) Nestes entfernen wir die Abdunkelung und bringen sie am anderen Nest an. Ziehen die Ameisen erneut um?

Nach den Versuchen
Geben wir die Ameisen gegen die Übernahme der Versandkosten an interessierte Halter ab. Temnothorax sp. können im Kunstnest auch wieder dort in die Freiheit gebracht werden, wo sie entnommen wurden.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Trailandstreet » Sonntag 22. März 2015, 22:03

Ich hab erst grad einer kleinen Temnothorax Kolonie, nachdem ihre Eichel über den Winter doch etwas verschimmelt ist, ein neues Objektträgernest angeboten. Das würde jedoch nicht angenommen, sonder die kleinen sind in den Spalt zwischen RG tränke und Wand bzw Boden gezogen. Der jetzige Standort ist nicht abgedunkelt.
Ich denke die Versuchsreihe wird interessant und mal sehen, was dabei rauskommt.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Reber » Montag 23. März 2015, 12:09

Ich werde jetzt zuerst einmal geeignete Nester Basteln, präparieren. Gut vorstellen kann ich mir, dass wir die Versuche noch etwas erweitern, um - wie Kati in Eusozial vorgeschlagen hat - eine Hierarchie der Bedingungen bei den Arten zu ermitteln.
Neben Licht, also noch die Geschlossenheit des Nestes (Eingang, Abdeckung), Feuchtigkeit und Wärme verändern, bzw. berücksichtigen.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon ratti » Montag 23. März 2015, 13:27

Ich könnte, wenn Bedarf besteht, diese kleinen Satellitennester aus einer halben Haselnuss + Plexiglas bauen, welche ich für meine Temnothorax verwende. Wäre aus Zeitgründen allerdings erst ab Mitte April möglich.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Merkur » Montag 23. März 2015, 16:08

Etwas OT, aber notwendigerweise hier im Zusammenhang:

Leider muss ich hier auf einen Beitrag im eusozial verweisen, von Matthias Zille. Die an diesem Projekt direkt Beteiligten werden ihn lesen oder gelesen haben; das meiste darin findet meine Zustimmung:
http://eusozial.de/viewtopic.php?f=26&t ... 3e8#p32913
Bei einem Satz allerdings muss ich Einspruch erheben:
„Eine weitere frage die sich mir gerade stellt. Welchen wert hat eigentlich eine Haltung von Ameisen unter "wissenschaftlichen" Bedingungen? Wir alle kennen diese komplett lichtdurchlässigen Versuchsaufbauten aus den Filmen.“
Hier wird pauschal unterstellt, dass Wissenschaftler grundsätzlich ihre Ameisen ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse der Tiere im Hellen halten. Das ist geradezu absurd falsch!

Für Filmaufnahmen benötigt man Licht, sehr viel Licht. Selbstverständlich müssen die Ameisen daran gewöhnt werden, dass sie beim Filmen auch so agieren wie man das zeigen möchte. Wo Blattschneider durch Plastikröhren flitzen, ist es gewiss kein Problem, denn sie furagieren ohnehin bei hellem Tageslicht. Aber auch Nestszenen kann man oft, wenigstens kurzfristig, bei Licht filmen, bis die Tiere sich daran stören.

Ansonsten ist mir aus vielen Laboren bekannt, dass Ameisenvölker ganz generell im Dunklen leben, so wie auch in meinem Labor, in verdunkelten Nestern. Selbst die Arenen genießen in Brutschränken meist nur ein gedämpftes Licht. Nur bei Experimenten, in denen das Verhalten außerhalb des Nestes untersucht wird, sind die Arenen hell beleuchtet.
Ich kann Euch also beruhigen: Wir Wissenschaftler wissen durchaus mit Versuchstieren so umzugehen, dass unsere Ergebnisse „Wert haben“!

Noch ein Hinweis:
Wo das Filmen mit Dauerlicht nicht möglich ist, weil das Verhalten von Natur aus in der Dämmerung oder bei Nacht abläuft, kann man sich oft mit speziellen Blitzeinrichtungen behelfen. Manche Insekten (ist ja nicht bei allen getestet) und Spinnentiere nehmen Blitzlicht, oder eine sehr rasche Blitzfolge (entsprechend der Aufnahmegeschwindigkeit) nicht als Licht wahr.
Mit einer solchen eigens gefertigten Einrichtung wurden z. B. die Aufnahmen von Spinnen für einen Fernsehfilm von Kullmann und Stern 1975 gemacht: http://de.wikipedia.org/wiki/Leben_am_seidenen_Faden.
Für unseren Ameisenfilm 1976 konnten wir dieselbe Einrichtung benutzen um das Sexualverhalten von Harpagoxenus sublaevis aufzunehmen: Das findet abends im Dunklen statt und konnte zuvor nur bei sehr gedämpftem Licht beobachtet werden. Ich stand neben dem knatternden Blitzgenerator und konnte nur staunen, dass die Ameisen absolut das normale Paarungsverhalten zeigten, völlig unbeeindruckt! Ich schreibe also aus persönlicher Erfahrung.

Es ist unerfreulich, pauschale Unterstellungen gegenüber Wissenschaftlern öffentlich in einem Forum lesen zu müssen! Von derartigen unqualifizierten Verdächtigungen bleibt heute im Internet leider immer „etwas hängen“.

MfG,
Merkur (der sich als Nichtmitglied im eusozial nicht wehren kann)
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon NIPIAN » Montag 23. März 2015, 20:15

Hoi

habt ihr euch schon einmal auf die Suche nach Studien zum Thema Reaktion auf Lichteinfall in das Nest gemacht? So trommeln beispielsweise Camponotus spp. bei Lichteinfall und erhöhen damit die Arbeitsgeschwindigkeit der übrigen Arbeiterinnen mit der die Brut in dunklere Bereiche verbracht wird.
http://www.jstor.org/discover/10.2307/4 ... 6215703833

Es soll ein bestimmtes Verhalten beobachtet werden? Das Verbringen von Brut von einer Kammer in eine andere unterliegt mehr Einflüssen, als "Licht an" und "Licht aus". Geruch, Luftzug, Feuchtigkeit etc.
Besser ist es, jedwede Änderung des Verhaltens als Lichtreaktion zu werten. Will heißen: höhere Frequenz der Antennenbewegung, erhöhte Laufgeschwindigkeit, bzw. überhaupt eine Bewegung. Sprich: sind in der hellen Kammer insgesamt die Lebensbedingungen für die Brut besser, wird sie dort belassen, obwohl die Arbeiterinnen möglicherweise eine erhöhte Alarmbereitschaft an den Tag legen -> Verhaltensänderung. Mit der Fluchtreaktion wird ausschließlich auf die Maximalvariante getestet, nicht jedoch auf eine Abwägung einer Kosten-Nutzen-Rechnung in Form eines abgeschwächten, andersartigen Verhaltens.

'N undurchsichtiger Kasten wäre für Filmaufnahmen selbstverständlich besser gewesen. Oder aber die Abdeckung hinter der Kamera hätte gesondert gefilmt werden müssen. Versuchen Wissenschaftler dem Otto-Normal-Konsumenten etwas näher zu bringen wird ihnen daraus ein Strick gedreht. Und sowieso, wenn sie es nicht tun. Hey look, I'm spinning, I'm spinning! Ich denke, er hat etwas ganz anderes gemeint und sich lediglich ungeschickt ausgedrückt. Ne Kamera zeigt dem Zuschauer auch nur einen Ausschnitt - und zwar den, den der Kameramann zeigen will.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Hopfensack » Montag 23. März 2015, 21:25

Ich bin zwar nur ein Laie in der Haltung und auch Gewiss kein Wissenschafler, aber ich bezweifel, dass man durch diesen "Versuch" zu irgendwelchen Erkenntnissen kommt.
(und vll. sogar gefährliches Halbwissen verbreitet wird)

Es sind einfach zu viele Faktoren vorhanden.
Um einen solchen Versuch zu starten, bräuchte man dutzende Vergleichsgruppen.

Gruppen von Ameisen, die bisher in Eicheln genistet haben, Grupen, die unter der Rinde lebten ect.
Die Bedingungen sind niemals gleich ....der eine hat eine Raumtemperatur von 18°C beim anderen sind es 20°C.
Noch dazu kommt, dass die Ameisenhalter wahrscheinlich zum Großteil "Pro Licht" sind ;), auch dies wird eine Rolle spielen. :roll:

Eine Ameise, die bisher immer einen SICHERES Nest in einer stockdunklen Eichel hat, wird es wahrscheinlich wieder ins Dunkle ziehen .....oder mhhhh vll freut sie sich doch über ein sicheres Nest im Licht und zieht erst recht ins Helle, weil sie die Dunkelheit satt hat :?:

Genau so wie es auf den Halter ankommt. Schaut man 10 mal am Tag in ein abgedunkeltes Nest, bricht 10 mal Panik aus. Ich kann mir gut vorstellen, dass unter den Bedingungen ein belichtetes Nest weniger Störungen für die Ameisen hervorruft und dieses bevorzugt wird.

Ich, für meinen Teil, hab das Gefühl, dass meine Ameisen sich das Nest anhand der Stabilität aussuchen. In den meisten Fällen hängen sie an den dicksten und stabilsten Wänden.
Haben Ameisen die Möglichkeit um Material z. Bsp. durch Klopfen auf Stabilität zu prüfen? Durch Bisse können sie die Festigkeit feststellen, aber die Stabilität nicht! Nehmen sie da vll Schwingungen war?
Mir ist es in meinen Legonestern aufgefallen. Manche Legos (Wände) waren durch das Ausgießen mit Gips gefüllt! Meistens wurde genau an diesen Wänden, die stabiler sind genistet.
Auch in Gibsnestern (ect.) halten sich meine Ameisen in der Gründungsphase meist dort auf, wo die Wände extrem dick sind.
(vll speichern diese aber auch nur länger die Wärme)

Das wirklich herauszufinden ist, denke ich, unmöglich .......ohne wirklich außergewöhnlich umfangreiche Versuche im Labor.

So ein Laien-Versuch kann komplett verfälscht werden, obwohl ein eindeutiges Ergebnis vorliegt.
20 Menschen suchen 20 Eicheln ....basteln ein Nest und dann wird stündlich nachgeschaut. Selbst wenn alle ins Licht ziehen oder alle ins Dunkle ....was soll die Erkenntnis sein?

Ich befürchte ein Aufschrei nach dem Motto ..."Ameisen brauchen nicht abgedunkelt zu werden". ES IST BEWIESEN.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Xeras » Dienstag 24. März 2015, 08:53

Hallo allerseits ,

Als Einsteiger behaupte ich mal dass es oft auf die Art ankommt. Ich halte verschiedene einheimische Arten und von denen ist bis jetzt nur Formica fusca als " empfindlich" gegen spontan eintretenden Lichteinfall aufgefallen.Damit meine ich wenn das Licht angeht wenn ich im Keller hineingehe.Auch die Myrmica sp. scheint darauf hektisch zu reagieren. Lasius niger hingegen sind andere Parameter wichtiger. Auch Camponotus herculeanus ist es im Moment viel wichtiger sich in einer warmen Ecke als im Dunkeln aufzuhalten.Soweit meine Beobachtungen.

MfG Xeras
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon Merkur » Mittwoch 25. März 2015, 11:58

Irgendwie läuft die Sache aus dem Ruder; das ganze kleine (!) Projekt wird zerredet und mit Fragestellungen befrachtet, die letztlich ein großes Forschungsinstitut über Jahre beschäftigen könnten!

„Aufhänger“ war ja ein Thread, in dem ich beschrieben hatte, wie ich neu eingesammelte Völkchen von Leptothorax bzw. Temnothorax spp. innerhalb von < 24 Stunden zum Umzug aus einer beleuchteten in eine dunkle Sammeltube veranlasst habe. Es ging nicht um Nester und nicht um dauerhaften Aufenthalt der Völkchen, sondern um die saubere Trennung der Tiere von den Resten ihrer Nistgelegenheit ("Dreck"), die man beim Aufsaugen unvermeidlich mit in den Exhaustor bekommt.
viewtopic.php?f=21&t=759
In der Diskussion wurde das Thema zerschossen bis ich das Handtuch warf: viewtopic.php?f=21&t=759#p5299 .
Danach wurde weiter diskutiert, bis schlussendlich die Idee aufkam, einen Versuch dazu durchzuführen, an dem sich mehrere Personen beteiligen: viewtopic.php?f=21&t=759&start=20#p5334 .

Der Plan wurde nun in diesem Thread hier wieder aufgenommen.
Parallel dazu soll das Projekt im eusozial-Forum angegangen werden http://eusozial.de/viewtopic.php?f=26&t=3274 , wo sich ebenfalls eine bereits ziemlich ausufernde Diskussion entwickelt hat.

Ich selbst werde mich allenfalls mit Anregungen bzw. etwas Kritik beteiligen, wo mir das sinnvoll erscheint. Die folgenden Empfehlungen sind in diesem Sinne zu verstehen.

- Die Versuche sollten auf eine bzw. maximal zwei Arten begrenzt werden, so dass mit derselben Art mehrere Parallelversuche möglich sind.
- Empfehlenswert sind komplette Völkchen von Temnothorax nylanderi, die leicht in entsprechender Zahl selbst eingesammelt werden können.
- Man sollte ungefähr ähnlich große, weiselrichtige Völkchen auswählen (> 25 bis gegen 100 Arbeiterinnen).
- Brut muss dabei sein, ihr Entwicklungsstand (nur Larven und Eier, oder mit Puppen bzw. jungen Imagines) dürfte keine wesentliche Rolle spielen.
- Man sollte die Völkchen in gleichartige „Nester“ einziehen lassen, deren Oberseite lichtdurchlässig sein muss, und die man mit lose aufgelegten Abdeckungen gut verdunkeln kann.
- Form, Innen-Höhe, Eingangsgröße etc. müssen identisch sein.
- Die Völkchen dürfen nicht länger als 2-3 Tage ein solches Nestchen bewohnen, damit nicht durch „Markierung“ ein Nestgeruch auftritt, der zur Bevorzugung des zuerst bewohnten Nestchens führen könnte.
- T. nylanderi kann man schadlos (!) aus einer Sammeltube bzw. aus ihren Nestkämmerchen heraus in eine kleine Arena klopfen, so dass man auch für jeden Versuchsdurchgang zwei neue Nester anbieten kann, eines hell, das andere dunkel. Die Tiere werden schnell aus der beleuchteten Arena in eines der Nester einziehen.
- Die Beleuchtung muss bei den Versuchen im AP und im eusozial identisch sein (man kann mehrere Durchgänge mit unterschiedlichen Lichtquellen planen).
- Es muss dafür gesorgt werden (Messungen!), dass zwischen den beiden zur Wahl gestellten Nestchen kein Temperaturunterschied auftritt.

So viel im Moment; so würde ich den Versuch planen. Vielleicht fällt mir noch mehr ein!

MfG,
Merkur
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon NIPIAN » Mittwoch 25. März 2015, 17:55

Hoi,

die Lichtquelle ist ebenfalls wesentlich. Es muss festgelegt werden, welchen Spektralbereich sie abdeckt. Dazu gibt zu allen im Verkauf befindlichen Lichtquellen sogenannte Spektralanalysen. Diese müssen bekannt sein. Der Grund: was nicht auf die Ameise gefeuert wird, kann auch nicht zu einer Reaktion führen (UV/IR, sichtbares Licht, jeweilige Intensität etc.). Weiterhin ist bekannt, dass einige Arten UV-Licht als Orientierungshilfe nutzen. Dieses tritt normalerweise nur außerhalb des Nestes auf. Soll das ebenfalls untersucht werden? Wenn nein, dann muss das im Ergebnis gesondert beachtet werden.
Es muss demnach von allen Studienteilnehmern dieselbe Leuchtquelle genutzt werden. Ebenfalls muss die Energiezufuhr ident sein. Also keine Dimmfunktion, oder was sonst noch dieser Art in der Nähe ist.
Eine etwas ältere Studie hat versucht, die Rotlichtwirkung auf bestimmte Ameisenarten zu untersuchen. Dabei sind Lampen verwendet worden, die über die physikalische Definition von Rotlicht hinaus Licht bestimmter Wellenlänge entsandt haben. Dadurch ist die Studie angreifbar und in der Aussagekraft eingeschränkt. Jene habe ich damals auch vorgestellt, siehe Folgepost als Kopie.

Btw.: die Verdunklung muss vibrationsfrei aufgehoben werden können.
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Re: Versuch: Ameisennester + Lichteinfall

Beitragvon NIPIAN » Mittwoch 25. März 2015, 18:03

Basierend auf der folgenden Studie:
The influence of red light on the aggregation of two castes of the ant - Stéphanie Depickèrea, Dominique Fresneaub, Jean-Louis Deneubourga - Journal of Insect Physiology, Volume 50, Issue 7, July 2004, Pages 629–635

Die Studie liegt mir vor.

Hoi,


aus gegebenem Anlass (neue Forummaske - Antastisch weiß Bescheid), möchte ich noch einmal folgende Debatte aufgreifen:

Aus diesem zunächst rein kommerziellen Thema hat sich ein echtes, kleines Versuchsthema entwickelt.
Von meiner Position aus hierbei noch einmal ein großes Lob und Herzlichen Dank an 4kidsmama, die sich leider seit Mitte Dezember nicht mehr im Forum hat blicken lassen. Sie hat zum Anstoß für die zahlreichen Versuche gepfiffen.

Während des damals ersten Usertreffens der Erlanger-Nürnberg-Gruppe hat Antastisch mir diese Studie vorgestellt. Dabei ist auf dieses Thema verwiesen worden. Im dritten Beitrag hat Sahal, auf die Studie bezogen, angedeutet, dass darin methodische Fehler vorkommen können.

Ich versuche nun im Folgenden eine kritische Auseinandersetzung:

Die Studie ergründet durch einen Versuchsaufbau zweier abwechselnder Zustände ("Rotlicht" und "absolute Dunkelheit") die Reaktionen von (Brüsseler) Lasius niger (unterteilt in "fouragierende" und "brutpflegende" Individuen - altersabhängig) und versucht somit einen Rückschluß auf die Rotlichtreaktion. Herausgerechnet wird die Temperaturdifferenz durch Rotlichteinwirkung.

Verwendet für "Rotlicht": Rotlichtlampe 625nm - 700nm(+x).
Verwendet für "absolute Dunkelheit": ne Box außen rum

Beleuchtung und Videoaufnahme über je ein seperates Loch, welches gegenüber dem Außen als dicht gilt.

Fouragierende und brutpflegende Individuen unterscheiden sich im Alter. Junge pflegen die Brut, Ältere fouragieren.

Aufgezeichnet werden im 90-Minuten-Wechsel die Reaktionen der beiden Gruppen auf die unterschiedlichen Lichtverhältnisse. (Eine Veränderung der Position wird als Reaktion gewertet. Auf den Sinn des Verhaltens zu schließen ist irrelevant.)

Ergebnis der Studie: Die Versuchskolonie Lasius niger reagiert auf die Lichtwechsel. Fouragierende Individuen reagieren sehr viel stärker als Brutpflegende.

Schluß der Studie: Die Versuchskolonie Lasius niger kann Rotlicht wahrnehmen. Möglicherweise in Abhängigkeit vom "Alter".


Kritikpunkte:
- Wenn Rotlicht untersucht werden soll, ist auch Rotlicht zu verwenden. 625nm - 700nm schließt den orangenen Bereich mit ein. Definitionsgemäß kein Rot. (siehe Post #10) -> (wieder entstrichen, siehe #16)
- Schwächerer Makel: Was nach dem 700nm (>700nm) Bereich an Durchlässigkeit/Intensität vorkommt, kann nicht klar ersehen werden.
- es kann nicht ausgeschlossen werden, dass aufgrund der Umwandlung von Lichtenergie in Wärmeenergie, z.B. auf der Cuticula, die Wärmeenergie die Verhaltensänderung hervorruft (siehe #16)
- Die fouragierenden Ameisen wurden aus dem Nest entfernt und daran gehindert zurückzukehren. Eine Stresssituation. Verstärkung der Reaktionen? (siehe #10 & #16)
- Untersuchte Art: Lasius niger. Für andere Arten muß das erst richtig untersucht werden. Auf Farbeinflüsse reagierende Insekten könnten möglicherweise unterschiedliche Systeme entwickelt haben. Quasi ihren eigenen Farbspektrum-Fingerabdruck.

Lösungsmöglichkeiten:
- Farbbereich klarer abstimmen, per Photometer messen und Ergebnis in einem Gesamtlichtspektrumsgraphen als Kopie beifügen.
- Die fouragierende Gruppe nicht komplett absondern. Eher eine Kolonie bei normaler Tätigkeit untersuchen und klar zwischen außerhalb und innerhalb des Nestes unterscheiden (diskussionswürdig) (siehe Post #10)
- Versuchsbedingungen auf andere Arten anwenden. NIEMALS artübergreifenden Rückschluß wagen. Soviele Studien zu diesem Thema gibt es gar nicht - ist wohl zunächst einmal eine Mund-zu-Mund-Propaganda [1] gewesen.


Weitere Anhaltspunkte und Gedanken von denen, die die Studie gelesen haben sind erwünscht, der Rest: NOT!


Auswirkungen auf die (sehr) liberale Gemeinschaft der Spaßhalter:
Vorerst beim Alten bleiben - aber ernsthaft in Erwägung ziehen, einen Karton vor die rote Folie zu montieren (lustiger Schluß, wenn ich mir die Entwicklung in diesem Forum seit 2005 ansehe - den Vorschlag hat es schon einmal gegeben).



[1] wird in der Studie auf Wheeler, W.M. (1910) "Ants: Their Structure, Development and Behavior." Columbia University Press, New York zurückgeführt.
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