Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Bestimmungsanfragen

Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Beitragvon Hoffer » Freitag 16. Juni 2017, 11:35

Hallo!

Habe bei mir in Wien eine interessante Beobachtung gemacht. Vor kurzem konnte ich ein kleines Areal ausfindig machen, auf dem 3-4 Kolonien von Camponotus vagus leben, soweit so uninteressant,... ABER bei einem Nest ist mir plötzlich etwas aufgefallen... die Major- Arbeiterinnen haben einen (dunkel-) roten Kopf?! Ist sowas bekannt, oder handelt es sich hier um etwas Außergewöhnliches (Hybridisierung,...?)?

Bitte um Aufklärung, denn mir ist dies bisher noch nie aufgefallen...

LG Hoffer.
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Re: Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Beitragvon Reber » Freitag 16. Juni 2017, 11:57

Vielen Dank fürs Dokumentieren und Berichten!
Von Habitus und Gasterbehaarung her würd ich auch meinen, es handelt sich um Camponotus vagus. Aber eine solche (sehr schöne, wie ich finde) Farbvariante habe ich noch nie gesehen, unsere C. vagus sind immer einheitlich schwarz. Die anderene grossen heimischen Camponotus haben ebenfalls schwarze Köpfe. Überhaupt kenne ich ausser Camponotus truncatus keine einheimische Camponotus mit rotanteil am Kopf (ausser Camponotus lateralis, aber die kommen bei uns nur südlich, im Tessin, vor).

Auch die Farbe der Beine, der von dir fotografierten Tiere, scheint ungewöhlich rot. Tritt die Färbung bei allen Tieren der Kolonie auf? Oder nur bei einzelnen Exemplaren oder bestimmten Unterkasten? Und wie steht es um die Grösse der Arbeiterinnen, unterscheiden sie sich da von Exemplaren anderer Kolonien ihrer Art?

Aif jeden Fall sehr interessant, ich hoffe, unsere Experten können mehr dazu sagen.
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Re: Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Beitragvon Merkur » Freitag 16. Juni 2017, 14:02

Eine solche Farbvariante kenne ich auch nicht! Möglicherweise handelt es sich um (noch) nicht völlig ausgefärbte jüngere Individuen. Doch sollte das auch bei anderen Nestern auftreten.
Auch eine Parasitierung wäre denkbar, obwohl ich die für unwahrscheinlich halte.
Vielleicht kannst Du 2-3 solcher Rotköpfe zusammen mit vielleicht 10 normal gefärbten Arbeiterinnen einfangen und für 2-3 Wochen halten. Dann sollte sich zeigen, ob sie nachdunkeln. Am besten mit Fotos dokumentieren.

MfG,
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Re: Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Beitragvon Boro » Freitag 16. Juni 2017, 15:28

Sehr spannend! Würde mich auch interessieren, was da los ist!
Die Art ist bei uns zum Glück nicht selten, in geeigneten Habitaten bis 900 m Seehöhe verbreitet. Ich habe die Art schon unzählige Male gesehen, beobachtet, darüber geschrieben und fotografiert, aber eine Farbmorphe mit rötlichen Köpfen ist mir bisher nicht untergekommen. Dass es sich vielleicht um unausgefärbte Jungtiere handelt, glaube ich nicht, die sind eher heller als die Alttiere, hell- bis mittelgrau gefärbt.
Interessant wäre, ob die gesamte Population eines Volkes so gefärbt ist oder nur einzelne Tiere. In letzterem Fall würde ich eine Krankheit vermuten, da gibt es ja Fälle, die zu einer Farbveränderung führen. Ich hatte einmal eine (kranke) Polyergus-Königin in Haltung, die war vollkommen schwarz.
Gut wären erstklassige Makro-Aufnahmen.
L.G.
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Re: Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Beitragvon Hoffer » Freitag 23. Juni 2017, 14:15

Hallo und danke für eure Antworten!
Also was ich meiner Meinung nach ausschließen kann, dass es sich um Jungtiere handelt. Die Farbvariante mit dem roten Kopf ist mir bisher nur bei den richtig großen Major- Arbeiterinnen aufgefallen. So richtig schön rot wie auf den Bildern war nur diese eine Ameise, bei den anderen muss man schon genauer hin schauen, aber wenn man sie ins Licht hält sieht man eindeutig das Dunkelrot. Die Kolonie lebt in einem Holz, welches kontaminiert ist, ich schätze so ähnlich wie bei Eisenbahnschwellen. Dass das der Grund sein könnte...

LG Hoffer.
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Re: Camponotus vagus mit rotem Kopf?!

Beitragvon Benni » Samstag 28. Mai 2022, 14:11

Neuigkeiten zur "Rotkopfmorphe"?
Nach dem spannenden Fund von Hoffer 2017, hat Herbert Wagner den Fund 2019 publiziert ("Wiener Ameisenbeobachtungen", pdf: https://www.zobodat.at/pdf/BEF_20_0143-0159.pdf). Seitdem hatte sich nicht mehr allzu viel getan, bis letztes Jahr ein weiterer Fund auf iNaturalist gepostet wurde: https://www.inaturalist.org/observations/96123348 - Im Anschluss stand ich in kurzem Austausch mit Herbert Wagner. Ihm waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls nur diese beiden Funde bekannt. Wagner hält eine physiologische Störung als Folge eines endoparasitischen Befalls am wahrscheinlichsten, wobei seine Untersuchung 2019 zumindest keine Nematoden nachweisen konnte. Wie vielfältig mögliche Parasiten aber sein können zeigt Laciny (2021): "Among the shapeshifters: parasite-induced morphologies in ants (Hymenoptera, Formicidae) and their relevance within the EcoEvoDevo framework" (open-access: https://evodevojournal.biomedcentral.co ... 21-00173-2, pdf: https://evodevojournal.biomedcentral.co ... 0173-2.pdf). Nun bin ich vor einer Woche auf iNAt sogar noch auf einen dritten Fund gestoßen, welcher dort allerdings bereits 2020 hochgeladen wurde: https://www.inaturalist.org/observations/45162205

Auffällig ist, dass alle drei Funde aus der direkten Umgebung von Wien stammen. Zudem wurden alle Funde zwischen April und Juli gemacht und in allen drei Fällen sind große "Major"-Arbeiterinnen betroffen/(befallen?).

Aus meiner Sicht auf jeden Fall ein spannendes (Forschungs-)Thema, das ich weiter beobachten werde.
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