Tarsenspinner, Embioptera: Wenig bekannte Insektenordnung

Tarsenspinner, Embioptera: Wenig bekannte Insektenordnung

Beitragvon Merkur » Sonntag 3. Mai 2015, 14:01

In Deutschland kommen sie nicht vor. Aber bereits in Südfrankreich trifft man sie recht häufig an, vor allem, wenn man nach Ameisen unter Steinen sucht.
Besonders oft habe ich die röhrenartigen Gespinste der Tarsenspinner in der Nähe von Messor-Nestern gefunden, z. B. in dem Genist von Spelzen und anderen Abfällen von den eingetragenen Samen.
Die Tiere tragen ihren deutschen Namen wegen der Fähigkeit, mittels Spinndrüsen in den verdickten Vorderfüßen Wohngespinste anzulegen, in der Streuschicht am Boden und gerne unter flachen Steinen. In dem Gespinst können sie gleich schnell vorwärts und rückwärts laufen. Sie ernähren sich von totem Pflanzenmaterial.
Ausführlich kann man sich hier informieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Tarsenspinner
(Im AF existiert ein Artikel zu Tarsenspinnern, jedoch ohne Bilder)

Bemerkenswert ist, dass diese gregären (in Gruppen lebenden) Tiere Subsozialverhalten zeigen, eine Brutpflege aufweisen.
Die flügellosen Weibchen bewachen ihre Gelege in dem Gespinst; bei einigen Arten werden die jungen Larven mit vorgekautem Pflanzenmaterial gefüttert!

In Andalusien habe ich im April 2015 die Gelegenheit genutzt, ein paar Fotos zu machen. Vermutlich gehören sie zur Gattung Embia, doch fand ich keinen neueren Bestimmungsschlüssel.

Tarsenspinner-4901.jpg
Tarsenspinner aus Spanien
Bild 1: Ein Tarsenspinner-Weibchen, ca. 1 cm lang, das ich aus dem Gespinst entnommen und im Hotel auf einem Tisch fotografiert habe.

Tarsenspinner-4890a.jpg
Gespinst von Tarsenspinnern
Bild 2: Die typischen Gespinströhren unter einem Stein. Unmittelbar links von der roten Pfeilspitze ist eines der Tierchen im Gespinst zu erkennen.

Vor Jahren habe ich mal versucht, Tarsenspinner aus Südfrankreich zu halten: Es ging recht gut in einer Plastikschachtel mit ca. 5 mm dickem Gipsboden, der mäßig feucht gehalten wurde. Zwischen zwei Plexiglasplatten von ca. 6 x10 cm Größe war „Genist“ von einem Messor-Nest eingeklemmt, so dass ein Abstand von ca. 3-4mm eingehalten wurde. Die Tiere haben diese Nistgelegenheit sehr schnell genutzt und ihre Röhren darin angelegt. Für einige Wochen im heißen Sommer konnte ich so ihr Treiben beobachten. Es kam allerdings nicht zur Fortpflanzung, so dass ich auch die Brutpflege nicht verfolgen konnte. Damals (vor der Zeit des Internets) war eben auch nur wenig über diese Tiere zu lesen. – Wenn man im Urlaub mal in Südfrankreich, Spanien, Italien oder auf der Balkanhalbinsel auf Tarsenspinner stößt, könnte sich der Versuch einer Haltung lohnen!

MfG,
Merkur
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